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Erschienen in: Pflegezeitschrift 11/2020

01.11.2020 | Pflege Management Zur Zeit gratis

Grün in die Zukunft?!

verfasst von: Birke Dikken

Erschienen in: Pflegezeitschrift | Ausgabe 11/2020

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Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen: Der Status quo Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind ressourcenintensive Großverbraucher - und können deshalb mit den richtigen Maßnahmen auch einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Man muss nur wissen, was möglich ist. Aspekte wie Ernährung, Mobilität, Hygiene und das grüne Image von Kliniken nehmen wir in den nächsten Monaten unter die Lupe.
Extremwetterlagen mit verheerenden Bränden, Überschwemmungen und Stürmen zeigen weltweit die massiven Folgen des Klimawandels. Viele Menschen sind betroffen, mit erheblichen Folgen für ihre Gesundheit. Dazu zählen Auswirkungen physischer Art wie Infektionen, Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems, die Zunahme von Allergien, Verletzungen oder im Extremfall auch Todesfälle - aber auch psychische Belastungen wie Stress, Angstzustände, Traumata und Depressionen. Die Botschaft der Bundesregierung dazu lautet: Umwelt und Gesundheit gehören zusammen - Umweltschutz ist nachhaltige Gesundheitsvorsorge!

Umweltschutz ist nachhaltige Gesundheitsvorsorge

Mit dem Ziel, den Schutz der Menschen vor umweltbedingten Gesundheitsrisiken weiter zu verbessern, kooperieren die zuständigen Ministerien und Bundesoberbehörden deshalb im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit, das die Politikbereiche Umwelt-, Gesundheit- und Verbraucherschutz miteinander vernetzt. Im Vordergrund steht dabei die Aufklärung über die Zusammenhänge von Umweltbelastungen und gesundheitlichen Auswirkungen. Der Gesundheitssektor ist für die Produktion von 4,4% der globalen Treibhausgase verantwortlich und liegt damit noch über den Emissionen des Flugverkehrs und der Schifffahrt. Nachhaltigkeit ist hier deshalb immer wichtiger geworden.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche bundesweite Projekte ins Leben gerufen, die das Nachhaltigkeitsbewusstsein bei Unternehmensleitungen und Mitarbeitern im Gesundheitssektor fördern und so zu einem Umdenken anregen. Dies hat dazu geführt, dass Fuhrparks auf E-Mobilität umgestellt und Logistikketten verändert wurden, der Neu- und Umbau von Häusern durch den Einbau von Photovoltaik-Anlagen, Dachbegrünung, dem Einsatz ressourcenschonender Materialien und der Umstellung auf Blockheizkraftwerke energieeffizienter gestaltet wurden. Zudem werden Prozessabläufe analysiert, die Themen Ernährung, Verpackungen und Hygiene überprüft. Das Image ganzer Einrichtungen verändert sich und auch deren Corporate Identity. Dabei ist Einsatz und verantwortliches Handeln von jedem einzelnen Mitarbeiter gefragt, wie ausgewählte bundesweite Projekte zeigen.
_ KLIK green: Unter der Leitung des BUND für Umwelt und Naturschutz e.V. zielt KLIK green darauf ab, in bundesweit 250 Krankenhäusern und Reha-Kliniken 100.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einzusparen. Im Projekt werden beschäftigte Fachkräfte zu Klimamanagern qualifiziert, um konkrete Klimaschutzziele für die Einrichtungen festzulegen, Maßnahmen zu planen und umzusetzen.
_ Energie sparendes Krankenhaus: Hierbei handelt es sich um ein BUND-Gütesiegel, mit dem bundesweit Krankenhäuser und Reha-Kliniken für besondere Leistungen beim Klimaschutz ausgezeichnet werden. Durch Investitionen in energiesparende und energieeffiziente Technik, Gebäudedämmung und andere klimarelevante Maßnahmen wie die Motivation zu klimafreundlichem Nutzerverhalten, können Krankenhäuser Kosten sparen und einen wichtigen Beitrag zur Senkung ihres CO2-Austoßes leisten.
_ KLIMARETTER - LEBENSRETTER: Das gesamte Gesundheitswesen von Arztpraxen, Krankenkassen bis hin zu Healthcare-Unternehmen ist aufgefordert, mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand einen Beitrag für den Umweltschutz zu leisten und neben Lebens- auch Klimaretter zu werden. Im online verfügbaren Klimaretter-Tool wählen die Mitarbeiter aus 23 vorgegebenen Aktionen ihre individuellen Aktionen aus den Bereichen Energie, Mobilität und Konsum aus und setzen diese in einem frei wählbaren Zeitraum um. Dabei stehen sie in direktem Wettbewerb zu Mitarbeitern anderer Unternehmen und konkurrieren um den Klimaretter-Award, der einmal im Jahr von der Stiftung viamedica vergeben wird. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.
_ Green-Hospital: Dieses Projekt hat zum Ziel, den Einfluss von Kliniken auf deren Umwelt zu reduzieren. Dazu zählen Maßnahmen, welche unter anderem die regionalen Standortfaktoren, die Anforderungen an Bauwerk und Gebäudestruktur und die Energieversorgung berücksichtigen, aber auch Maßnahmen, die die Betriebsorganisation sowie die Aufenthalts- und Arbeitsbedingungen verbessern. Green Hospitals sollen damit nicht nur die Gesundheit und die Zufriedenheit von Patienten sichern, sondern auch die Gesundheit der Mitarbeiter positiv beeinflussen.
_ Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG): Diese Arbeitsgruppe fordert von jedem, den eigenen Lebensstil zu überdenken und recyclebare Materialien zu verwenden, weniger Fleisch zu essen und das Auto öfter stehen zu lassen, aber auch sein Geld bei Banken anzulegen, die ökologisch-ethisch wirtschaften. Zudem sind Gesundheitsunternehmen angehalten, über die medizinischen Folgen des Klimawandels aufzuklären und sich in Organisationen und Fachgesellschaften für das Thema zu engagieren.

Positive Verstärkung

Optimismus ist gefragt und deshalb gewinnt der Gedanke des CO2-Handabdrucks eine immer größere Bedeutung. Das Konzept des sogenannten "Handabdrucks" (engl. "handprint") wurde vom Centre for Environment Education (CEE) entwickelt. Mit ihm wird berechnet und versinnbildlicht, was jemand schon erreicht hat - er zeigt, was man an ökologischen Fortschritten schon geschafft hat, statt was noch zu tun ist. Es werden demnach nicht die Einschränkungen in den Vordergrund gestellt, sondern der Gewinn, der mit nachhaltigem Handeln verbunden ist. Jeder hat in diesem Konzept die Möglichkeit, seinen "CO2-Handabdruck" unbegrenzt zu vergrößern, denn der Abdruck wächst nicht nur mit eigenen Verhaltensänderungen, sondern auch dadurch, welche Wirkungen er auf andere Menschen hat.

Wie Covid-19 die Umwelt beeinflusst

Wie schnell unser Handeln Einfluss auf das Klima haben kann, zeigen die Folgen der durch die COVID-19-Pandemie bedingten weltweilten Lockdown-Phasen: Wasser- und Luftqualität verbesserten sich in kürzester Zeit radikal. Es wurden nicht nur wieder Delfine in Venedig gesichtet - auch Chinas Großstädte waren aufgrund der geringeren Smogbelastung wieder aus dem All zu erkennen. Zugegeben, dies ist selbstverständlich nicht der Wunsch nach weiteren Lockdowns, aber nach einem Verständnis für Ursache und Wirkung des eigenen Handelns auf die Umwelt. Prof. Dr. Frederik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Freiburg, sagte im Rahmen seiner virtuellen Laudatio für die diesjährigen Preisträger des Klimaretter-Awards, dass Corona gezeigt habe, dass sich Video-Konferenzen, Video-Sprechstunden und weniger Dienstreisen durchaus positiv auf die CO2-Bilanz ausgewirkt hätten.
Zudem wurde kaum ein Thema im Zuge der Pandemie für jeden und überall so in den Vordergrund gerückt wie das Thema Hygiene. Deshalb stellt sich auch für Kliniken und Pflegeeinrichtungen die Frage, ob Hygienemaßnahmen nachhaltig gestaltet werden können. Können Materialien verwendet werden, die als nachhaltig gelten und eventuell recyclebar sind? Wie sieht es mit sterilen Einwegverpackungen für medizinisches Equipment aus? Kann Reinigung nachhaltiger werden? Auch in diesen Bereichen tut sich bereits einiges, wie das Gütesiegel "Clean and green" zeigt.
Nachhaltigkeit bedeutet durchaus nicht nur Askese und Verzicht und ihre wirtschaftlichen Effekte sind auch nicht immer messbar, aber sie leistet einen Beitrag zur sozialen Verantwortung und in das wichtigste Gut aller Menschen, die Gesundheit.

Web-Tipps

Metadaten
Titel
Grün in die Zukunft?!
verfasst von
Birke Dikken
Publikationsdatum
01.11.2020
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Pflegezeitschrift / Ausgabe 11/2020
Print ISSN: 0945-1129
Elektronische ISSN: 2520-1816
DOI
https://doi.org/10.1007/s41906-020-0919-0

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