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22.01.2019 | Gesundes Arbeiten | Nachrichten

35-Stunden-Woche: Die Pflege stärken

Das hat für Aufsehen gesorgt: Seit Januar gilt für Pflegekräfte in den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken die 35-Stunden-Woche – bei vollem Gehaltsausgleich. Pflegekräfte in anderen Häusern sind begeistert, manche aber auch skeptisch. Wir sprachen mit Gunnar Sevecke, Geschäftsführer Finanzen & Strategie der Kliniken über Hintergründe und Details.

Gunnar Sevecke MBA © Frankfurter Rotkreuz-Kliniken e.V.Gunnar Sevecke MBA
Der Diplom-Kaufmann ist als Geschäftsführer Finanzen & Strategie im Frankfurter Rotkreuz-Kliniken e.V. tätig.

Mit der Einführung der 35-Stunden-Woche für die Pflege sind Ihre Häuser deutschlandweit vorgeprescht. Was genau waren die Gründe?

Wir sind ein inhabergeführtes Krankenhaus, das unter der Trägerschaft der Frankfurter Rotkreuz-Schwesternschaften steht. Den Krankenschwestern gehört also das Krankenhaus. Deswegen liegt uns die Pflege ganz besonders am Herzen und wir möchten sie weiter stärken.

Bei wem mussten Sie für das Arbeitszeitmodell im Haus am meisten Überzeugungsarbeit leisten?

Die Einbindung der Mitarbeiter in einem Schwesternschaftskrankenhaus ist von je her schon sehr eng. Unsere Oberin sowie auch unsere Pflegedienstleitungen haben einen sehr engen Draht zu den Mitarbeitern. Sie wissen, wo Bedürfnisse und Wünsche liegen. Die Entscheidung für die Einführung der 35-Stunden-Woche wurde dann in unseren Führungsgremien erarbeitet und gefasst. Es ist von daher eine unternehmerische Entscheidung, die uns auch Mut und Vertrauen abverlangt hat. Die Mitarbeiter, im Übrigen auch diejenigen, die nicht davon betroffen sind, einschließlich der Betriebsrat begrüßen diese Entscheidung sehr.

Wie sieht die Arbeitszeitregelung konkret aus? Eine Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Pensum würde ja auf eine Arbeitsverdichtung hinauslaufen.

Eine Arbeitsverdichtung wäre es nur, wenn wir die Stellen nicht ausbauen, was wir aber tun. Wir möchten ja gerade etwas Gutes für die Pflege tun. Daher wurden 11 neue zusätzliche Stellen geschaffen, die mittlerweile größtenteils auch schon besetzt sind. Außerdem werden wir durch das neue bundesweite Pflegepersonal-Stärkungsgesetz unterstützt. Damit wird jede zusätzliche Pflegekraft finanziert.

Für die Pflegekräfte hat die neue Regelung klare Vorteile. Welchen Mehrwert hat sie für die Kliniken selbst?

Wir hatten bereits in der Vergangenheit eine hohe Arbeitgeberattraktivität, die sich in den kaum freien Stellen, der hohen Mitarbeiterzufriedenheit sowie der Zertifizierung „berufundfamilie“ widerspiegelt. Insofern möchten wir etwas Spürbares an unsere Pflegekräfte zurückgeben. Wir glauben, dass sich dies nachhaltig auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirkt und sicherlich unsere Arbeitgeberattraktivität weiter erhöht.

Das Interview führte Nicoletta Eckardt

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