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29.05.2017 | Geriatrie | Nachrichten

Geriatrie: Eine Frage der Lebensqualität

Unser Gesundheitssystem gilt als eines der besten der Welt. Doch inwieweit profitieren auch betagte Patienten von modernsten Behandlungsverfahren? Ein Geriatrie-Professor fordert, die Frage der Lebensqualität stärker in den Vordergrund zu rücken.

Nach Ansicht des Altersmediziners Rainer Neubart drohen geriatrische Patienten zunehmend auf der Strecke zu bleiben. „Die Segnungen des medizinischen Fortschritts werden oft fraglich angesichts einer komplizierten Gesundheitssituation und vieler Begleiterkrankungen“, so Neubart im Heilberufe Spezial „Der alte Patient“.

Die Medizin habe es weitgehend verschlafen, moderne Verfahren in ein Gesamtkonzept für geriatrische Patienten zu integrieren – angesichts des demographischen Wandels ihre wichtigste Zielgruppe. „Was nützt eine neue Herzklappe, wenn die Ursache der häufigen Stürze nicht erkannt wurde“, fragt Neubart. Geriatrische Patienten empfänden bei vielen Erkrankungen die Folgen der eingeschränkten Lebensqualität schmerzhafter als die Krankheit selbst. Ein Zusammenhang, den die WHO bereits in der International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps (ICIDH) beschrieben hat.
Typisch für multimorbide geriatrische Patienten ist eine meist sehr unübersichtliche Gesundheitssituation. Diese wird häufig von erheblichen sozialen Problemen begleitet. Das macht ein gut strukturiertes Vorgehen erforderlich, erläutert Neubart. Ziel sei ein „individuelles geriatrisches Gesundheitsmanagement“, das dem Patienten größtmögliche Selbstständigkeit und Lebensqualität ermöglicht und gleichzeitig die Notwendigkeit weiterer medizinischer Interventionen minimiert.

Lesen Sie mehr über wichtige Veränderungen und Erfordernisse des Alterns und den professionellen Umgang damit in Heilberufe Spezial „Der alte Patient“.