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13.09.2019 | Übersichten | Sonderheft 3/2019

Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 3/2019

Gehhilfen aus kulturgeschichtlicher Perspektive

Funktionelle und semantische Vielfalt von Assistenzsystemen für die Fortbewegung im Alter

Zeitschrift:
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie > Sonderheft 3/2019
Autoren:
Prof. Dr. med. Dr. phil. Daniel Schäfer, Prof. Andrea von Hülsen-Esch, Prof. Heiner Fangerau

Zusammenfassung

Hintergrund

Assistenzsysteme für die Fortbewegung Älterer stehen in vielfältiger Wechselwirkung mit der Kultur einer Gesellschaft. Gehhilfen etwa gelten spätestens seit der Neuzeit als Zeichen für Gebrechlichkeit. Der Stock war aber auch gleichzeitig Symbol für Regierungsgewalt oder Ansehen. Gegenwärtig sind Stab, Rollstuhl und Rollator nicht nur funktional bedeutsam für die Verbesserung von Mobilität, sondern stehen darüber hinaus für die Erhaltung von gesellschaftlicher Teilhabe.

Ziel der Arbeit

Der Beitrag soll diesen vorläufigen Befund in die Kulturgeschichte zurückverfolgen und dabei Wurzeln, neue Formen und Bilder von Praktik und Metaphorik der Assistenzsysteme analysieren. Konkret geht es im Kontext des vorliegenden Themenheftes darum, ein zentrales Text- und Bildsymbol für das höhere Lebensalter zu dekodieren und es mit anderen, neueren Symbolen für Unterstützung im Alter zu vergleichen.

Material und Methoden

Methodisch verbindet der Text philologisch-medizinhistorische und kunsthistorische Ansätze. Er analysiert (nach einem knappen Rekurs auf Antike und Mittelalter) mithilfe von Text- und Bildquellen aus dem 16. bis 21. Jh. die historische Entwicklung von Hilfen zur Fortbewegung für alte Menschen und die kulturellen Haupt- oder Nebenbedeutungen dieser Assistenzsysteme.

Ergebnisse und Diskussion

Die hier analysierten Assistenzsysteme für Fortbewegung im Alter fanden in der Geschichte nur teilweise und verhältnismäßig spät medizinische Beachtung. Ihre semantische Vielfalt steht in engem Bezug zu Altersrollen und -stereotypien, die in bestimmten Epochen vorherrschend waren. Je mehr alte Menschen das jeweilige System benutzen, desto eher eignet es sich als Symbol für das höhere Lebensalter, und umso einseitiger und negativer scheint auch die semantische Konnotation auszufallen. Die Herausbildung eines Alterssymbols der Hilfsbedürftigkeit – aktuell am deutlichsten im Rollator sichtbar – verweist auf tendenziell pejorative Altersbilder einer Gesellschaft. Die kulturhistorische Analyse lässt vermuten, dass eine gegenläufige Entwicklung nur möglich sein wird, wenn die Assistenzsysteme erneut eine Vielfalt alternativer Funktionen und Semantiken erfüllen.

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Literatur
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