Perinatalzentrum Lwiw kooperiert mit MHH Ukraine-Krieg: Deutsche Klinikpartnerschaft stärkt Geburtshilfe
- 27.01.2026
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Der russische Angriffskrieg hat die medizinische Versorgung in der Ukraine grundlegend verändert – das gilt besonders für schwangere Frauen. Viele von Ihnen fliehen aus den umkämpften Regionen in den Westen des Landes. In Lwiw wird das Perinatalzentrum zu einem zentralen Anlaufpunkt. Unterstützung erhält es durch eine Klinikpartnerschaft mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).
Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine suchen viele schwangere Frauen Schutz im vermeintlich sicheren Westen des Landes. In Lwiw, einer wichtigen Aufnahmeregionen für Binnenflüchtlinge, kommen zahlreiche Kinder fernab der ursprünglichen Heimat und unter erschwerten Bedingungen zur Welt. Das dortige Perinatalzentrum versorgt Frauen mit Risikoschwangerschaften sowie früh- und krank geborene Neugeborene und steht angesichts des anhaltenden Krieges vor besonderen Herausforderungen.
Das Team des Regionalen Zentrums für Neugeborenen-Screening des Perinatalzentrums Lwiw überreicht dem MHH-Team eine Dankesurkunde für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts „Partnerschaft im Gesundheitswesen“, verliehen durch den Lwiwer Regionalrat. © Perinatalzentrum Lwiw
Zentrale Anlaufstelle für Schwangere im Westen der Ukraine
Die Einrichtung in Lwiw ist das größte Perinatalzentrum in der Westukraine. Es verbindet Geburtshilfe und Neonatologie und ist auf komplexe Schwangerschafts- und Geburtsverläufe spezialisiert. Die Klinik besteht seit 38 Jahren und hat seit Kriegsbeginn deutlich an Bedeutung gewonnen. Viele Frauen erreichen Lwiw nach langen Fluchtwegen und ohne durchgängige medizinische Vorsorge. Im Jahr 2024 wurden dort rund 6.000 Kinder geboren.
Ein besonderer Bedarf besteht bei der frühen Erkennung seltener Erkrankungen bei Neugeborenen: „Bestand bei einem Neugeborenen der Verdacht auf eine seltene genetisch bedingte Erkrankung, mussten die Proben zur genetischen Diagnostik in die USA geschickt werden. Das war umständlich und sehr teuer“, beschreibt Prof. Dr. Halyna Shcherbata die frühere Situation in Lwiw. Inzwischen kann die Diagnostik vor Ort erfolgen. So können schon in den ersten Lebenstagen seltene erbliche Erkrankungen diagnostiziert und behandelt werden. Möglich wurde dies durch den Aufbau eines Labors für genetische Analysen im Rahmen einer Klinikpartnerschaft mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).
Klinikpartnerschaft mit deutscher Unterstützung
Das Projekt ist Teil des Förderprogramms „Klinikpartnerschaften“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die rund 1,2 Millionen Euro investiert. Neben der technischen Ausstattung steht die Qualifizierung des medizinischen Personals im Mittelpunkt. Mitarbeitende des Perinatalzentrums wurden in Hannover geschult und arbeiten eng mit deutschen Fachabteilungen zusammen.
Die neuen diagnostischen Möglichkeiten kommen nicht nur dem Perinatalzentrum in Lwiw zugute. Das dortige Neugeborenen-Screening-Zentrum unterstützt auch andere Einrichtungen in der Ukraine, die über keine eigene genetische Diagnostik verfügen. Ziel ist es, die Versorgung von Neugeborenen landesweit zu verbessern und unter den Bedingungen des Kriegs stabil zu halten. (jr)