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22.05.2024 | Geburtshilfe | Online-Artikel

Wirkungsvoller Impfschutz

Zweite Masernimpfung bei Kaiserschnitt-Kindern besonders wichtig

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Laut einer aktuellen Studie ist die erste Dosis einer Masernimpfung deutlich häufiger unwirksam nach einer Geburt per Sectio als nach einer vaginalen Geburt. Das Mikrobiom könnte dabei eine besondere Rolle spielen.

Masern gehören zu den ansteckendsten Krankheiten der Welt. Vor der Einführung des Masernimpfstoffs im Jahr 1963 starben schätzungsweise 2,6 Millionen Menschen pro Jahr an einer Masern-Infektion. Selbst niedrige Raten an Impfversagen können das Risiko eines Ausbruchs erheblich erhöhen. Ein möglicher Grund für diesen Effekt hängt mit der Entwicklung des Mikrobioms im Darm des Säuglings zusammen, die unter anderem vom Geburtsmodus beeinflusst wird.

Forschende aus dem Vereinigten Königreich und China haben nun in einer gemeinsamen Studie herausgefunden, dass eine einzelne Dosis des Masernimpfstoffs bei Kaiserschnittgeburten bis zu 2,6-mal häufiger unwirksam ist im Vergleich zu Kindern, die vaginal geboren wurden. Erst eine zweite Impfung führte zu einer robusten Immunität gegen Masern.

Darm-Mikrobiom entwickelt sich langsamer

Die Forschenden nutzen Daten aus früheren Studien von über 1.500 chinesischen Kindern, bei denen in regelmäßigen Abständen Blutproben von der Geburt bis zum Alter von zwölf Jahren entnommen wurden. So konnten sie beobachten, wie sich die Menge der Masern-Antikörper im Blut in den ersten Lebensjahren verändert. 12% der Kinder, die per Sectio geboren wurden, hatten keine Immunantwort auf ihre erste Masernimpfung, verglichen mit nur 5% der Kinder, die vaginal geboren wurden.

„Bei einer Kaiserschnittgeburt sind Kinder nicht in gleicher Weise dem Mikrobiom der Mutter ausgesetzt wie bei einer vaginalen Geburt“, sagte Prof. Henrik Salje von der Abteilung für Genetik der Universität Cambridge und Co-Autor der Studie. „Wir denken, dass sie daher länger brauchen, um ihr Darm-Mikrobiom zu entwickeln und damit die Fähigkeit ihres Immunsystems, durch Impfstoffe auf Krankheiten, einschließlich der Masern, vorbereitet zu sein.“

Weiterhin globales Problem

Gerade in den vergangenen Monaten stieg die Zahl der Masern-Infektionen in Großbritannien wieder an. Dazu trägt unter anderem auch die niedrige Impfquote von 85% bei Schulkindern bei. In Deutschland gilt dagegen seit 1. August 2022 eine Masern-Impfpflicht. Diese betrifft Kinder und Beschäftigte in Schulen und Kitas, aber auch Flüchtlingsunterkünfte, Arztpraxen und Krankenhäuser. Nicht geimpfte Kinder können von der Kita ausgeschlossen werden, auch sind Bußgelder bis zu 2.500 € möglich. Doch die Masern bleiben weiterhin ein globales Problem: Laut der Weltgesundheitsorganisation hatten im Jahr 2022 nur 83% der Kinder weltweit bis zu ihrem ersten Geburtstag eine Dosis des Masernimpfstoffs erhalten. Dies ist der niedrigste Stand seit 2008.  (lst)

cam.ac.uk

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Literatur

Wang W, O’Driscoll M, Wang Q et al. (2024) Dynamics of measles immunity from birth and following vaccination. Nat Microbiol. https://doi.org/10.1038/s41564-024-01694-x

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