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06.06.2024 | Geburtshilfe | Online-Artikel

Perinatale Programmierung

Vererbte Fettleibigkeit: Forschende finden Ursache im Gehirn

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Nachkommen von adipösen Schwangeren sind als Erwachsene oft selbst krankhaft übergewichtig. Wissenschaftler*innen konnten nun dafür verantwortliche Mechanismen aufdecken und einen potenziellen Lösungsansatz identifizieren.

Mütterliche Adipositas verändert das Essverhalten des Nachwuchses, indem sie langfristig den Spiegel bestimmter Moleküle im Hypothalamus erhöht, dem Teil des Gehirns, der den Appetit steuert. Dies kann jedoch durch Bewegung während der Schwangerschaft geändert werden, wie eine Studie an Mäusen nahelegt. Die Untersuchung ist eine der ersten, die molekulare Mechanismen aufzeigt, die die Ernährung im Mutterleib mit dem späteren Essverhalten verbinden.

Forschende der Universität Cambridge im Vereinigten Königreich fanden heraus, dass Mäuse, die von fettleibigen Müttern geboren wurden, bereits als Fötus und bis ins Erwachsenenalter höhere Spiegel einer bestimmten microRNA in ihrem Hypothalamus hatten. Diese Nachkommen wählten speziell fettreiche Nahrungsmittel.

Molekül begünstigt ungesundes Essverhalten

Bereits in früheren Untersuchungen an Menschen und Tiermodellen wurde nachgewiesen, dass die Nachkommen von Müttern mit Fettleibigkeit ein höheres Risiko haben, selbst Adipositas und Typ-2-Diabetes zu entwickeln, wenn sie erwachsen werden. Während dieser Beziehung wahrscheinlich eine komplexe Wechselwirkung zwischen Genetik und Umwelt zugrunde liegt, gibt es zunehmend Hinweise dafür, dass mütterliche Adipositas während der Schwangerschaft den Hypothalamus des Babys stören kann.

In Zellkulturexperimenten identifizierten die Forschenden das Molekül miR-505-5p als Regulator von Wegen, die an der Aufnahme und am Stoffwechsel von Fettsäuren beteiligt sind. Außerdem konnten sie zeigen, dass langkettige Fettsäuren und Insulin den Spiegel dieser microRNA im Hypothalamus beeinflussen können. Beide Substanzen werden häufiger bei adipösen Schwangeren nachgewiesen. Hohe Spiegel von miR-505-5p führen dazu, dass das Gehirn unfähig ist zu erkennen, wann fettreiche Nahrungsmittel konsumiert werden.

Moderates Training als Prävention?

Doch es gibt potenzielle Lösungsansätze für dieses Problem: „Wichtig ist, dass wir gezeigt haben, dass moderate Bewegung ohne Gewichtsverlust bei adipösen Schwangeren die Veränderungen im Gehirn des Babys verhindert“, berichtete Prof. Susan Ozanne, leitende Autorin der Studie. Bei Nachkommen von fettleibigen, aber trainierten Müttern war der Spiegel der microRNA miR-505-5p im Hypothalamus geringer und tatsächlich nahmen diese auch weniger fettreiche Nahrung zu sich. (lst)

cam.ac.uk

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Moenie van der Kleyn, Dozentin am Institut für Hebammenwissenschaften an der FH Joanneum in Graz, beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit den Auswirkungen von Übergewicht auf Mutter und Kind. Erfahren Sie im Interview mehr zu ihrer Forschungsarbeit

 

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Literatur

Dearden L, Furigo IC, Pantaleão LC, Wong LWP, Fernandez-Twinn DS, de Almeida-Faria J, et al. (2024) Maternal obesity increases hypothalamic miR-505-5p expression in mouse offspring leading to altered fatty acid sensing and increased intake of high-fat food. PLoS Biol 22(6): e3002641. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3002641 

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