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Internationale Partnerschaft Schulterschluss zur Stärkung der Hebammenarbeit in humanitären Krisen

Die International Confederation of Midwives und das International Rescue Committee starten eine fünfjährige Zusammenarbeit zur Stärkung der Versorgung von Frauen, Neugeborenen und Jugendlichen in humanitären Krisen. Im Zentrum stehen die bessere Anerkennung und Einbindung von Hebammen.

Humanitäre Krisen stellen die Gesundheitsversorgung in vielen Regionen der Welt vor erhebliche Herausforderungen. Besonders betroffen sind häufig Frauen, Neugeborene und Jugendliche. Vor diesem Hintergrund haben die International Confederation of Midwives (ICM) und das International Rescue Committee (IRC) eine neue strategische Partnerschaft geschlossen, um die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie die Gesundheitsversorgung von Müttern, Neugeborenen und Jugendlichen in von Krisen betroffenen Regionen zu verbessern.

Stagnierende Fortschritte in Krisen- und Konfliktregionen

Während die Mütter- und Neugeborenensterblichkeit weltweit in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt gesunken sei, blieben Fortschritte in Ländern, die von Konflikten, Vertreibung und klimabedingten Notlagen betroffen sind, weitgehend aus. Diese Länder machen rund 13% der Weltbevölkerung aus, tragen jedoch 58% der globalen Müttersterblichkeit, 39% der Neugeborenensterblichkeit und 41% der Totgeburten, so der Verband.

Ein wesentlicher Grund dafür sei der eingeschränkte Zugang zu qualifizierter Versorgung vor, während und nach der Geburt. Hebammen wären in der Lage, etwa 90% der grundlegenden Leistungen für die Bereiche sexuelle, reproduktive, mütterliche, neugeborenen- und jugendliche Gesundheit zu erbringen – würden in humanitären Hilfssystemen jedoch häufig nicht ausreichend einbezogen oder unterstützt. Dies schränke ihre Möglichkeiten ein, genau dort wirksam tätig zu werden, wo der Bedarf besonders hoch sei.

Gleichzeitig gingen laut ICM die finanziellen Mittel für die Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen in humanitären Notlagen zurück, obwohl der Bedarf weiter steige. Dabei gelte die Investition in Hebammen als eine der effektivsten Maßnahmen zur Reduktion vermeidbarer Todesfälle. Schätzungen zufolge könnten eine Million zusätzliche Hebammen bis 2035 rund 4,3 Millionen Leben retten und damit einen erheblichen Beitrag zur Senkung der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit sowie der Totgeburten leisten.

Hebammen als Schlüsselakteurinnen in der humanitären Gesundheitsversorgung

Die Partnerschaft zwischen ICM und IRC zielt darauf ab, humanitäre Nothilfe und den nachhaltigen Aufbau von Gesundheitssystemen eng miteinander zu verzahnen. Beide Organisationen wollen sicherstellen, dass Maßnahmen in akuten Krisen nahtlos in eine verlässliche Regelversorgung übergehen und betroffene Gemeinschaften langfristig stabil versorgt bleiben.

Konkret wollen ICM und IRC die geburtshilfliche und reproduktive Gesundheitsversorgung bereits zu Beginn humanitärer Einsätze priorisieren. Sie planen, den Zugang zu Gesundheitsleistungen in abgelegenen und konfliktbetroffenen Regionen zu erweitern, gemeindebasierte Hebammenmodelle zu stärken und funktionierende Überweisungs- und Versorgungsketten aufzubauen. Parallel sollen humanitäre, klimabezogene und schutzrelevante Inhalte systematisch in die Aus- und Weiterbildung von Hebammen integriert werden.

Darüber hinaus sollen die Qualitätsstandards in der Versorgung unter Krisenbedingungen gesichert werden. Damit reagieren sie gezielt auf die wachsenden Auswirkungen des Klimawandels auf Schwangerschaft und Geburt. Durch Forschung, politische Interessenvertretung und praxisnahe Konzepte wollen ICM und IRC die Rolle von Hebammen nachhaltig stärken und ihren unverzichtbaren Beitrag zur humanitären Gesundheitsversorgung sichtbar machen. (jr)

internationalmidwives.org

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Freunde verschiedener Ethnien, die ihre Hände aufeinanderlegen/© [M] Rido / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)