Geburt auf Augenhöhe Elterninitiativen fordern Nachbesserungen an Leitlinie
- 19.04.2025
- Geburtshilfe
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Eine Online-Umfrage von drei Elterninitiativen offenbart deutliche Informationslücken rund um die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“. Die Ergebnisse werfen Fragen zur geburtshilflichen Praxis auf – und fordern stärkere Berücksichtigung der Rechte und Bedürfnisse von Frauen und Neugeborenen.
Wurden Frauen bei der Geburt ausreichend informiert? Haben sie ihre Rechte gekannt, wurden sie nach ihren Wünschen gefragt? Diesen Fragen gingen die Initiativen Greenbirth e.V., kidsgo und Hebammen für Deutschland e.V. im Rahmen einer Online-Befragung nach. Vom 1. Oktober 2024 bis zum 31. Januar 2025 nahmen 1.078 Frauen an der Befragung „Wurdest du bei der Geburt deines Kindes gefragt…?“ teil. Im Fokus stand die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“, die eine medizinisch fundierte, frauenzentrierte Begleitung der Geburt fördern soll. Doch die Auswertung zeigt: Viele zentrale Informationen erreichen die Frauen nicht.
„bedenklich“ viele Frauen nicht informiert
Besonders kritisch bewertet werden die unzureichende Aufklärung über Eingriffe wie den Kristeller-Handgriff oder Dammschnitt sowie das Bonding nach der Geburt. So wussten etwa 45% der befragten Frauen nicht, dass sie das Recht haben, den Kristeller-Handgriff zu verweigern. Auch strukturelle Probleme wie starre Zeitvorgaben im Kreißsaal oder die mangelnde Trennung zwischen Vorsorge und pränataler Diagnostik im Mutterpass werden angesprochen.
Die Autor*innen halten zudem fest: Geburtsräume sollten sensibel gestaltet sein, Aufklärung über natürliche Prozesse und Risiken verbindlich erfolgen und Fachpersonal regelmäßig geschult werden. Die aus der Auswertung abgeleiteten Handlungsempfehlungen gehen über medizinische Standards hinaus: Die Initiativen fordern die Wahrung von Menschenrechten, Würde und Selbstbestimmung.
Die Ergebnisse und Empfehlungen wurden an die Verfasser*innen der Leitlinie übermittelt – mit dem Appell, diese bei der für 2025 geplanten Überarbeitung zu berücksichtigen. „Geburt ist ein hormongesteuerter, individueller physiologischer Prozess, der von der Umgebung und dem Befinden der Frau abhängig ist“, so die Initiativen. „freundliche Begleitung und Sicherheit, von Beginn der Schwangerschaft an, klinisch und wie außerklinisch sind dafür grundlegende Voraussetzung.“