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26.06.2024 | Geburt + Gebären | Nachrichten

POOL-Studie

Wassergeburt für Mutter und Kind sicher

verfasst von: Dr. Elke Oberhofer

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Bei einer Wassergeburt steigt die Schwangere entweder kurz vor der Entbindung oder bereits zu Beginn der Wehen in die Gebärwanne, in der ihr das auf 32 bis 37 °C erwärmte Wasser bis zur Brust reicht. Ob sie das Kind dann tatsächlich unter Wasser zur Welt bringt oder vor der Entbindung wieder heraussteigt, bleibt ihr überlassen.

Dass die komplette Unterwassergeburt bei unkomplizierten Verläufen nicht mit erhöhten Risiken verbunden ist, weder für die Mutter noch für das Kind, zeigt die aktuelle „POOL-Studie“: An ihr nahmen insgesamt 60.402 Frauen aus Großbritannien teil, die sich für eine Wassergeburt entschieden hatten. Voraussetzung für die Teilnahme war eine unkomplizierte Schwangerschaft ohne bekannte Risikofaktoren. Ausgeschlossen waren Frauen, die vor der Geburt bereits eine obstetrische oder anästhesistische Intervention erhalten hatten.

Weniger Dammrisse bei den Müttern …

In 39.627 Fällen (66%) fand die Geburt vollständig unter Wasser statt. In dieser Gruppe waren höhergradige Dammrisse vom Grad III oder IV, der primäre Endpunkt bei den Müttern, sogar etwas weniger häufig als bei denjenigen, die die Wanne vor der Entbindung verlassen hatten. Bei den Erstgebärenden lagen die Raten bei 4,8% bzw. 5,3% (adjustierte Odds Ratio 0,97), bei den Multipara bei 1,1% gegenüber 1,7% (aOR 0,64). Nur bei Letzteren war der Unterschied statistisch signifikant.

Bei den Kindern hatte man mehrere Risiken in einem zusammengesetzten Endpunkt gebündelt: Totgeburt nach Beginn der Wehen, Tod des Neugeborenen vor der Klinikentlassung, Einweisung des Kindes in eine Neugeborenen-Intensivstation mit respiratorischer Unterstützung oder Verabreichung von Antibiotika innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt. Damit sollten Zwischenfälle wie Asphyxie, Einatmen von Wasser oder Entwicklung einer Sepsis abgedeckt werden.

… und weniger Komplikationen beim Kind

Wie Julia Sanders von der Cardiff University und ihr Team berichten, trat dieser kombinierte Endpunkt bei 2,7% der unter Wasser Geborenen und bei 4,4% der Vergleichsgruppe ein. Mit einer aOR von 0,65 war der Unterschied auch hier signifikant. Bei der Betrachtung der einzelnen Komponenten des primären Endpunkts zeigte sich ein jeweils ähnliches Muster.

Die Unter-Wasser-Gruppe war auch bezüglich sekundärer Endpunkte nicht unterlegen: Das galt sowohl für notwendige Wiederbelebungsmaßnahmen als auch für die Folgen einer etwaigen Schulterdystokie. Insgesamt hatten sich in der Unterwassergruppe sieben perinatale Todesfälle ereignet, in der Vergleichsgruppe sechs. Das entsprach Raten von 0,18 bzw. 0,29 pro 1000 Geburten.

Bei den Müttern hatte man an sekundären Endpunkten postpartale Blutungen (mindestens 1 Liter), Dystokiefolgen oder jedwede Schäden am Perineum, eine manuelle Plazentaentfernung sowie obstetrische Eingriffe nach der Geburt berücksichtigt. Auch hier gab es keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen, ebenso wenig bei der Bereitschaft, das Kind zu stillen.

Nabelschnur unter Wasser häufiger gerissen

Das Einzige, was dem Forschungsteam auffiel, war eine deutlich höhere Rate vorzeitig gerissener Nabelschnüre in der Unterwassergruppe (1,0% gegenüber 0,3%). In beiden Gruppen zusammengenommen betraf das 122 Babys. Diese Kinder mussten tatsächlich häufiger auf die Intensivstation, erhielten häufiger respiratorische Unterstützung und benötigten häufiger Antibiotika.

„Frauen bei ihrer Entscheidung unterstützen!“

Für Sanders et al. reicht die Evidenz jedoch letztlich aus, um festzustellen, dass die Unterwassergeburt bei unkomplizierten Verläufen und unter Begleitung erfahrener Hebammen nicht mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind verbunden ist: „Frauen, die sich überlegen, ihr Kind komplett im Wasser zur Welt zu bringen, sollte man darüber informieren und sie bei ihrer Entscheidung unterstützen.“

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Welche Risiken birgt die Entbindung in der Gebärwanne für Mutter und Kind?

Antwort: Bei Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft war die vollständig im Wasser vollzogene Entbindung mit keiner Risikoerhöhung für Mutter oder Kind verbunden.

Bedeutung: Werdende Mütter, die nach entsprechender Aufklärung eine Wassergeburt erwägen, sollte man in ihrer Entscheidung unterstützen.

Einschränkung: Kohortenstudie; Daten nicht an allen Zentren vollständig erhoben; mütterlicher Blutverlust bei Wassergeburt möglicherweise weniger akkurat erfasst.

Literatur

Sanders J et al. Maternal and neonatal outcomes among spontaneous vaginal births occurring in or out of water following intrapartum water immersion: The POOL cohort study. BJOG 2024; https://doi.org/10.1111/1471-0528.17878

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