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01.03.2021 | Originalien | Ausgabe 2/2021 Open Access

Notfall + Rettungsmedizin 2/2021

Evaluation der Aufnahmekriterien von Patienten nach Verkehrsunfall in den Schockraum

Zeitschrift:
Notfall + Rettungsmedizin > Ausgabe 2/2021
Autoren:
J. C. Stephan, T. Grossner, L. M. Stephan-Paulsen, M. A. Weigand, G. Schmidmaier, Prof. Dr. med. E. Popp
Wichtige Hinweise
Die Autoren J.C. Stephan und T. Grossner teilen sich die Erstautorenschaft.

Zusammenfassung

Hintergrund

Die aktuelle S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) empfiehlt bei einem Pkw-Unfall mit einer Geschwindigkeitsveränderung von delta >30 km/h die Versorgung in einem Schockraum ohne Berücksichtigung der Verletzungen des Patienten. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob Patienten, die ausschließlich aufgrund dieses Kriteriums über einen Schockraum aufgenommen wurden, relevante Verletzungen aufwiesen, die intensivmedizinische Behandlungen oder (Not‑)Operationen benötigten.

Methode

Nach einem Pkw-Unfall wurden Patienten ohne spezifische Verletzung, bei denen ausschließlich eine Geschwindigkeitsveränderung von delta >30 km/h vorlag (Empfehlungsgrad B der S3-Leitlinie), der Studiengruppe, Patienten mit Verletzungen gem. Empfehlungsgrad A der Leitlinie der Vergleichsgruppe zugeordnet. Ein schockraumrelevantes Trauma wurde als Injury Severity Score (ISS) ≥16, operative Versorgung innerhalb 24 h, intensivmedizinische Überwachung >24 h, Versterben während des Krankenhausaufenthalts sowie DGU-Basiskollektiv (MAIS3+ oder MAIS2 mit Intensivverweildauer >24 h bzw. Versterben während des Krankenhausaufenthalts) definiert.

Ergebnisse

Der Vergleich zeigte einen hochsignifikanten Unterschied in Bezug auf den mittleren ISS (p ≤ 0,001), ein schockraumrelevantes Trauma (ISS ≥16; p ≤ 0,001), eine intensivmedizinische Versorgung >24 h (p ≤ 0,001), Operation innerhalb von 24 h nach Krankenhausaufnahme (p ≤ 0,001), Letalität (p ≤ 0,001) sowie DGU-Basiskollektiv (p ≤ 0,001). Anhand dieser Ergebnisse konnte gezeigt werden, dass innerhalb der Studiengruppe (Geschwindigkeitsveränderung von delta >30 km/h; Empfehlungsgrad B der S3-Leitlinie) lediglich ein Patient eine Traumafolge aufwies, die eine intensivmedizinische Behandlung >24 h oder eine Operation nötig machte. Studien- und Vergleichsgruppen waren in Bezug auf das mittlere Alter (p = 1,778), das männliche Geschlecht (p = 0,1728) sowie die durchschnittliche Unfallgeschwindigkeit (p = 0,4606) vergleichbar.

Diskussion

Ein alleiniges Vorliegen eines Pkw-Unfalls mit einer Geschwindigkeitsveränderung von delta >30 km/h kann nicht als adäquater Prädiktor für ein schockraumrelevantes Trauma gesehen werden. Weitere Studien könnten durch eine Leitlinienanpassung eine weiterhin sichere und hochwertige Patientenversorgung bei Reduktion von personellen und finanziellen Belastungen ermöglichen.
Literatur
Über diesen Artikel

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