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31.08.2017 | Ethik | Nachrichten

Tabuthema Patiententötungen

Patiententötungen machen immer wieder sprach- und fassungslos. Und gerade deshalb sollten sie in der Pflege thematisiert werden, findet der Psychiater Prof. Karl H. Beine. In HEILBERUFE informiert der Experte über Täterprofile, begünstigende Rahmenbedingungen und darüber, wie mit dem ungeheuren Verdacht umzugehen ist. 

© Carmen Jaspersen/dpaDer ehemalige Krankenpfleger Niels H. versteckt sein Gesicht, während er in Oldenburg im Landgericht auf der Anklagebank sitzt. (Archivfoto)

Niels H., Irene B., Stefan L. – Tötungsserien in Kliniken und Heimen sind selten, aber sie passieren. Immer wieder und überall. In der Septemberausgabe von HEILBERUFE erläutert der Psychiater Prof. Karl H. Beine, wie es zum Undenkbaren kommen kann. Wie aus dem Schutzraum Krankenhaus oder Heim ein Tatort wird.

Dabei macht er deutlich: Trotz aller Unterschiede in den einzelnen Fällen existieren auch viele Parallelen. Meist gibt es bereits früh Verdachtsmomente, die aber lange nicht nachhaltig verfolgt werden. „Es entsteht der Eindruck, dass derartige Verbrechen am eigenen Arbeitsplatz für unvorstellbar gehalten werden“, erklärt Beine. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Das Nichthandeln des Umfelds würden manche Täter sogar als stilles Einverständnis werten.

Um Patiententötungen zu verhindern, fordert Beine, Pflegekräfte und Ärzte verstärkt über solche Straftaten zu informieren. „Verdächtiges Verhalten muss frühzeitig erkannt und die auffälligen Kollegen angesprochen werden“, betont er. Die Mitarbeiter müssten sensibilisiert sein für Persönlichkeitsveränderungen bei Kollegen, Häufungen von Todesfällen in bestimmten Schichten, und auch der Medikamentenverbrauch sei besser zu kontrollieren.

Beine ist überzeugt, dass Kontrolle alleine nicht ausreicht, um die Risiken zu senken. Eine Grundvoraussetzung für Patientensicherheit sieht er in einer ausreichenden qualitativen und quantitativen Personalausstattung. Auch kompetente Teambegleitung, berufsgruppenübergreifende Fallkonferenzen, Teambesprechungen und Supervisionen, sind aus seiner Sicht in Deutschland viel zu selten. Ein Fehler: „In einer Arbeitssituation, die durch andauernde Hetze und Erschöpfung, chronische Überforderung und Stress gekennzeichnet ist, kommen die Aufnahmefähigkeit und Achtsamkeit zwangsläufig abhanden“, so der Psychiater. Leicht gehe dabei auch die Empathie verloren. (ne)

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