Zum Inhalt

Cochrane Review Welche Vorteile für Mutter und Baby hat ein früher Hautkontakt nach der Geburt?

Wenn Mütter unmittelbar nach der Geburt Hautkontakt mit ihrem Baby haben, sollen diese Säuglinge wahrscheinlich länger ausschließlich gestillt werden sowie eine stabilere Körpertemperatur, Atmung und Herzfrequenz entwickeln. Außerdem soll der frühe Hautkontakt auch einen positiven Einfluss auf die postnatalen Blutungen der Mutter haben. Ein aktueller Cochrane-Review hat sich diese Punkte jetzt noch einmal genauer angesehen.

Große globale Gesundheitsorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) raten, ein Neugeborenes unmittelbar nach der Geburt Haut an Haut mit der Mutter in Kontakt zu bringen. Das Baby sollte nackt sein und mindestens eine Stunde lang ohne Unterbrechung dort bleiben, idealerweise bis nach dem ersten Stillen. Dies wird als Haut-an-Haut-Kontakt bezeichnet. In vielen Einrichtungen ist es jedoch gängige Praxis, Neugeborene von ihren Müttern zu trennen, sie zu wickeln oder anzuziehen oder sie in offene Krippen oder unter Wärmestrahler zu legen. 
Haut-an-Haut-Kontakt ist in Ländern mit niedrigem Einkommen und in Ländern mit mittlerem Einkommen weniger verbreitet. Da dieser den Müttern aber helfen kann, erfolgreich zu stillen, könnte der geringere Haut-an-Haut-Kontakt ein Grund dafür sein, dass das Stillen in Ländern mit unterschiedlichem Einkommensniveau unterschiedlich ausgeprägt ist

Ziel und Vorgehen der Untersuchung

Das Ziel der Review-Autor*innen war es, noch besser zu verstehen, welchen Einfluss der Haut-an-Haut-Kontakt unmittelbar nach der Geburt auf die Stilldauer, das ausschließliche Stillen und die Anpassung des Babys an das Leben außerhalb des Mutterleibs hat. Kann der Haut-an-Haut-Kontakt folgende Punkte verbessern:

  • ausschließliches Stillen;
  • Körpertemperatur des Neugeborenen;
  • Blutzuckerspiegel des Neugeborenen;
  • Atmung und Herzfrequenz des Neugeborenen;
  • Zeit bis zur Entbindung der Plazenta;
  • mütterliche Blutungen nach vaginaler Geburt.

Die Autor*innen suchten in den wichtigsten Datenbanken nach randomisierten Studien zu unmittelbarem Haut-an-Haut-Kontakt (Beginn weniger als zehn Minuten nach der Geburt) und frühem Haut-an-Haut-Kontakt (zwischen zehn Minuten und 24 Stunden nach der Geburt). Bei randomisierten Studien wurden die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei oder mehr Gruppen eingeteilt, um sicherzustellen, dass die Gruppen ähnlich sind. Anschließend wurden die Ergebnisse zusammengefasst und auf der Grundlage von Faktoren wie Studiengröße und Methoden bewertet.

Was fanden die Autor*innen heraus?

Insgesamt wurden 69 Studien mit 7.290 Mutter-Kind-Paaren gefunden. In den meisten Studien wurde der sofortige Haut-an-Haut-Kontakt (innerhalb von zehn Minuten nach der Geburt) mit der Regelversorgung im Krankenhaus bei Frauen mit gesunden Neugeborenen verglichen. In 15 Studien hatten die Frauen einen Kaiserschnitt, und in zehn Studien waren die Babys gesund, aber zu früh geboren (ab der 34. Woche, aber vor der 37. Woche der Schwangerschaft). Zweiunddreißig Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt, 25 in Ländern mit mittlerem und höherem Einkommen und zwölf in Ländern mit mittlerem und niedrigerem Einkommen, darunter Indien, Nepal, Pakistan, Vietnam und Sambia. In Ländern mit niedrigem Einkommen wurden keine Studien durchgeführt. 
Frauen, die unmittelbaren oder frühen Haut-an-Haut-Kontakt mit ihren Neugeborenen haben, stillen wahrscheinlich eher ausschließlich bei der Entlassung aus dem Krankenhaus und bis zu einem Monat nach der Geburt (zwölf Studien, 1.556 Mutter-Kind-Paare) sowie sechs Wochen bis sechs Monate nach der Geburt (elf Studien, 1.135 Mutter-Kind-Paare). 
Säuglinge, die unmittelbaren oder frühen Haut-an-Haut-Kontakt mit ihren Müttern haben, haben wahrscheinlich 30 Minuten bis 2,5 Stunden nach der Geburt eine höhere Körpertemperatur; allerdings ist der Unterschied klinisch nicht bedeutsam (elf Studien, 1.349 Neugeborene). Unmittelbarer oder früher Haut-an-Haut-Kontakt erhöht wahrscheinlich den Blutzuckerspiegel von Säuglingen (drei Studien, 144 Neugeborene) und kann ihre Atmung und Herzfrequenz verbessern (zwei Studien, 81 Neugeborene). Unmittelbarer oder früher Haut-an-Haut-Kontakt hat möglicherweise geringe bis keine Wirkungen auf die Zeit bis zur Geburt der Plazenta (vier Studien, 450 Frauen) oder auf mütterliche Blutungen nach einer vaginalen Geburt (zwei Studien, 143 Frauen), wobei das Ergebnis für mütterliche Blutungen sehr unsicher ist.

Eingeschränkte Aussagekraft der Evidenz

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist für die meisten Ergebnisse moderat. Weniger sicher sind die Ergebnisse für Atmung und Herzfrequenz und die Zeit bis zur Geburt der Plazenta. Sehr unsicher sind die Ergebnisse für mütterliche Blutungen. In den einzelnen Studien wurden Haut-an-Haut-Kontakt, Stillen, andere Maßnahmen und der Standardkontakt unterschiedlich beschrieben und definiert. Außerdem wussten die Mütter und das Gesundheitsfachpersonal, welche Mütter Haut-an-Haut-Kontakt erhielten. Das kann die Ergebnisse beeinflusst haben. Schließlich waren viele Studien klein, mit weniger als 100 teilnehmenden Frauen und Neugeborenen. Das Review schloss außerdem nur gesunde Neugeborene ein, was die Spannweite der untersuchten physiologischen Parameter limitiert und ihre Interpretation erschwert.

Dieser Review ist eine Aktualisierung einer vorherigen Version. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 22. März 2024.

Cochrane.org

Moore ER, Brimdyr K, Blair A, Jonas W, Lilliesköld S, Svensson K, Ahmed AH, Bastarache LR, Crenshaw JT, Giugliani ER J, Grady JE, Zakarija-Grkovic I, Haider R, Hill RR, Kagawa MN, Mbalinda SN, Stevens J, Takahashi Y, Cadwell K (2025) Immediate or early skin-to-skin contact for mothers and their healthy newborn infants. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 10. Art. No.: CD003519. DOI: 10.1002/14651858.CD003519.pub5.

Bildnachweise
Glückliche Mutter mit Neugeborenem auf dem Bauch/© FatCamera / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)