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Erschienen in: Heilberufe 7-8/2022

01.07.2022 | Pflege Praxis Zur Zeit gratis

DERMATOSEN in 5 Minuten

Erschienen in: Heilberufe | Ausgabe 7-8/2022

Entzündungen der Haut

Chronisch entzündliche Dermatosen, oft auch als Ekzeme bezeichnet, sind Entzündungen der oberen Hautschichten (Oberhaut und Lederhaut). Es gibt viele unterschiedliche Arten von Dermatosen, die meistens gerötet sind und heftig jucken können. Charakteristisch ist auch die Bildung von nässenden Bläschen. Besteht ein Ekzem über einen längeren Zeitraum, kann die Haut stark austrocknen und Schuppen bilden. Die durch die Dermatitis veränderte Haut verliert die Barrierefunktion, was einen gesteigerten Wasserverlust zur Folge hat. Die Haut wird spröde und rissig.
_ Ekzeme sind weltweit verbreitet: Etwa 15-25% aller Patient*innen mit Hauterkrankungen leiden darunter. Eine exogen ausgelöste Dermatitis liegt vor, wenn die Entzündung der Haut durch äußere Einflüsse entstanden ist (z.B. Chemikalien oder UV-Strahlung). Endogene Dermatosen wie die Schuppenflechte bzw. Psoriasis haben ihren Ursprung in der genetischen Veranlagung der Patient*innen, das heißt die entzündliche Reaktion der Haut ist im Erbgut der betroffenen Person festgelegt.

Mehr Anerkennungen

Bereits seit dem 1. Januar 2021 ist der sogenannte Unterlassungszwang weggefallen. Das bedeutet, dass Personen mit berufsbedingten Hauterkrankungen wie einem Handekzem ihre Arbeit nun nicht mehr aufgeben müssen, um eine Berufskrankheit anerkannt zu bekommen und damit rechtsverbindlich eine bessere Versorgung über die Unfallversicherung zu erhalten. Der Hautzustand der Betroffenen lässt sich oft mit Schulungs- und Präventionsmaßnahmen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich so stark verbessern, dass diese laut Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD) in etwa zwei Drittel der Fälle in ihrem Beruf bleiben könnten. Aktuelle Zahlen der Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) zeigen, dass sich aufgrund des Wegfalls des Unterlassungszwangs die jobassoziierten Hauterkrankungen (Berufskrankheiten-Liste: BK-Nr. 5101) in 2021 verzehnfacht haben. Laut Statistik stieg die Zahl der Anerkennungen von 393 im Jahr 2020 auf insgesamt 3.958 in 2021.

Dermatosen im Beruf

Berufsbedingte Hauterkrankungen treten besonders häufig in Berufsgruppen auf, die mit auslösenden Substanzen umgehen. Reinigungskräfte, Friseur*innen, Kosmetiker*-innen, Bäcker*innen, Ärzt*innen sowie Pflegepersonal sind täglich hautschädigenden Stoffen ausgesetzt. Berufsdermatosen manifestieren sich am häufigsten in Form kumulativ-subtoxischer oder allergischer Kontaktekzeme der Hände. Ferner können Hauterkrankungen anderer Lokalisationen und Ätiologien berufsbedingt verursacht (Gesichts- und Fußekzeme, Kontakturtikaria, Infektionserkrankungen der Haut oder Hautkrebs) oder (als anlagebedingte Hauterkrankungen wie atopische Dermatitis oder Psoriasis vulgaris) verschlimmert sein.
_ Präventionsmaßnahmen: Maßnahmen der Primärprävention berufsbedingter Hauterkrankungen dienen der Verhütung des Auftretens von Berufsdermatosen, durch Elimination potenter Allergene. Für bereits an einer Berufsdermatose Erkrankte besteht ein Präventionskonzept, das sich je nach Schweregrad der Hauterkrankung modular in die sekundäre Individualprävention (ambulante hautärztliche Versorgung: Hautarztverfahren, ambulante Hautschutzseminare, Betriebsberatungen) und tertiäre Individualprävention (integrierte ambulant-stationäre gesundheitspädagogische und medizinische Versorgung bei schweren Berufsdermatosen, berufsdermatologische stationäre Rehabilitationsmaßnahmen) gliedert.

Vorbeugung von Maskendermatitis

Seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen Dermatolog*innen eine deutliche Zunahme von Gesichtsdermatitiden. Bei Beschäftigten im Gesundheitswesen habe einer Untersuchung zufolge das Tragen des Mund-Nase-Schutzes zu einem drastischen Anstieg solcher Hautveränderungen geführt. Problematisch ist aus Sicht der Dermatolog*innen der Okklusionseffekt der Masken, der das Hautmilieu stört. Zudem kann sich durch mechanische Reibung auf der Gesichtshaut vor allem bei bereits bestehenden Hauterkrankungen das Hautbild verschlechtern. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) gibt auf ihrer Webseite Empfehlungen zur Vorbeugung und Behandlung einer Maskendermatitis.
_ Wichtig: Ist die Maskendermatitis durch den Beruf entstanden, ist ein Hautarztbericht an die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse zu veranlassen.

Online-Kurs zur Hautgesundheit

Jede zweite Berufskrankheit in Gesundheits- und Wohlfahrtsberufen ist eine Hauterkrankung. Damit es nicht soweit kommt, bietet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Betroffenen, Hautschutz systematisch ins Arbeitsleben zu integrieren, um beruflich bedingte Hauterkrankungen zu vermeiden. Die Kursreihe umfasst vier Online-Kurse mit Lernprogrammen und weiterführenden Weblinks. Sie thematisiert unter anderem Aufbau und Funktion der Haut, Risikofaktoren, Schädigungen und Erkrankungen der Haut, Versorgungsstrukturen sowie Schutzmaßnahmen und Prävention.

Aktion "haut+job"

Die Aktionswoche "haut+job" ist Teil der gesamteuropäischen Initiative "Healthy Skin@Work" unter dem Dach der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) mit dem Ziel, die Zahl der beruflich bedingten Hauterkrankungen deutlich zu verringern und den Hautschutz am Arbeitsplatz zu verbessern. Die Aktionswoche steht alljährlich ganz im Zeichen der Aufklärung über Ursachen beruflicher Hauterkrankungen und über mögliche Schutz- und Therapiemaßnahmen. In Deutschland wird die Kampagne vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD), der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD) getragen.

Dermatosen rauben den Schlaf

Juckreiz ist bei Patient*innen mit Dermatosen der häufigste Grund für einen schlechten Schlaf. Hinzu kommen, etwa bei atopischer Dermatitis (AD) und Psoriasis, depressive und Angststörungen. Deshalb haben Dermatologen von der Charité - Universitätsmedizin Berlin insgesamt 800 Patient*innen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern zu Schlafstörungen befragt. Als Kontrollgruppe dienten 64 Patient*innen mit histaminergem Angioödem (AE). Schlafstörungen wurden mit dem Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) gemessen, dessen Gesamtscore zwischen 0 und 21 liegt (> 5 bedeutet schlechter Schlaf). Die durchschnittliche und maximale Intensität des Juckreizes der letzten Woche wurde mit der visuellen Analogskala (VAS) festgehalten.

Mehrheit litt unter Schlafmangel

Schlechter Schlaf kam bei zwei Dritteln der Patient*innen vor (66,2%) und war bei allen Dermatosen zu finden. Besonders stark waren Patient*innen mit bullösem Pemphigoid (93%), Urtikaria-Vaskulitis (83%), chronischer Prurigo (82%), chronischem Pruritus auf primär unveränderter Haut (76%), chronischer spontaner Urtikaria (74%) und Lichen planus (73%) betroffen. Am stärksten ausgeprägt waren Schlafstörungen bei Patient*innen mit chronischer Prurigo und bullösem Pemphigoid. Der Großteil der Betroffenen hatte Schwierigkeiten einzuschlafen (82,9%) oder auch aufzuwachen (76,3%).

Stärkere Leiden am Abend und in der Nacht

Bei den meisten Teilnehmer*innen änderte sich die Stärke des Juckreizes im Laufe des Tages. Meist nahm er am Abend und in der Nacht zu, was mit Schlafstörungen assoziiert war. Ein durchschnittlicher Wert von >5 Punkten und ein maximaler Wert von >6,5 Punkten auf der VAS machte einen schlechten Schlaf sehr wahrscheinlich (Sensitivität und Spezifität jeweils über 70%). Vor allem Frauen, Arbeitslose, Singles und multimorbide Patient*innen litten vermehrt unter Schlaflosigkeit. Schlafstörungen waren außerdem assoziiert mit depressiven Stimmungen, Angststörungen, psychischem Stress und einer verminderten Lebensqualität. Bei Patient*-innen, die unter Pruritus litten, waren Schlaf-störungen mit einer verminderten gesundheitsbezogenen Lebensqualität sowie mit reduzierter Produktivität bei der Arbeit und reduzierter Aktivität verbunden. Psychischer Stress war der stärkste Vorhersagewert für Schlafstörungen, gefolgt von Zunahme des Pruritus während der Nacht, Stärke des Juckreizes, Anzahl der Komorbiditäten und weiblichem Geschlecht.

Psychische Komponenten beachten

Schlafstörungen können Patient*innen mit chronischen Hauterkrankungen erheblich belasten. In der vorliegenden Studie wurde dies nun auch für seltenere Dermatosen wie Mastozytose, kutanes T- und B-Zell-Lymphom, chronische Prurigo, Urtikaria-Vaskulitis und bullöses Pemphigoid belegt. Überschreitet der durchschnittliche Wert des Pruritus auf der VAS 5 Punkte und der maximale Wert 6,5 Punkte, dann sollten die Betroffenen auf Schlafstörungen hin untersucht werden, erklären die Studienautoren. Ein wichtiges Ziel der Therapie sei es, diese Grenzwerte nicht zu überschreiten. Noch stärker als der Juckreiz spielten psychische Belastungen eine Rolle. Deshalb sei nicht nur die antipruritische Therapie wichtig, sondern auch die Behandlung psychischer Störungen, etwa durch eine ergänzende Psychotherapie.
Spindler M et al. Sleep disturbance in adult dermatologic patients: A cross-sectional study on prevalence, burden, and associated factors. J Am Acad Dermatol. 2021;85(4):910-922; https://​doi.​org/​10.​1016/​j.​jaad.​2021.​04.​015

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Metadaten
Titel
DERMATOSEN in 5 Minuten
Publikationsdatum
01.07.2022
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Heilberufe / Ausgabe 7-8/2022
Print ISSN: 0017-9604
Elektronische ISSN: 1867-1535
DOI
https://doi.org/10.1007/s00058-022-2299-x

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