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13.08.2017 | Demenz | Nachrichten

Neue Substanz verbessert Hirnfunktion

In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Menschen mit Demenz. Noch immer fehlt ein Wirkstoff, der die Krankheit aufhalten oder heilen kann. Münchner Forscher haben jetzt einen aussichtsreichen Kandidaten gefunden.

© tlvfotostudio / stock.adobe.com

Auch wenn die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz noch nicht geklärt sind, gilt das Protein Amyloid-β als Hauptverantwortlicher für die Entstehung der Krankheit. Daher wird intensiv nach Substanzen gesucht, die die Produktion dieses Eiweißstoffes hemmen und die Krankheitssymptome verbessern. „Eine erfolgreiche Therapie muss möglichst früh bei der Erkrankung ansetzen. Wir haben in unseren Versuchen deshalb das Enzym β-Secretase blockiert, das Amyloid-β herstellt“, erläutert Dr. Dr. Marc Aurel Busche, vom Institut für Neurowissenschaften der Technischen Universität München (TUM).
Das Team um Busche testete einen Hemmstoff des Enzyms in einem Alzheimer-Mausmodell. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachblatt PNAS. Demnach produzieren diese Mäuse große Mengen von Amyloid-β. Wie beim Menschen führt dies zu Verklumpungen im Gehirn und zu Gedächtnisstörungen. Bis zu acht Wochen erhielten die Mäuse den Hemmstoff über die Nahrung und wurden anschließend untersucht.
Wie von den Forschern erwartet, hatten die Mäuse anschließend weniger krankmachende Amyloid-β-Verklumpungen in ihren Gehirnen. Doch nicht nur das: Sie konnten auch eine Normalisierung der Hirnfunktionen bei den Tieren beobachten. Es gab weniger überaktive Nervenzellen und auch die langsamen Gehirnwellen – wichtig für die Gedächtnisbildung – verhielten sich wieder wie in gesunden Tieren. Entscheidend war für die Wissenschaftler aber, dass sich auch das Gedächtnis der „Alzheimer-Mäuse“ wieder verbesserte. So fanden die Tiere eine in einem Wasserlabyrinth versteckte Plattform wieder ebenso schnell, wie ihre gesunden Artgenossen.
Die ermutigenden Forschungsergebnisse sollen bald auch den Weg in die Klinik finden: Geplant sei eine klinische Studie mit rund 1000 Teilnehmern, in der ein leicht abgewandelter Hemmstoff getestet wird, teilt die TUM mit. „Wir hoffen natürlich sehr, dass sich die vielversprechenden Entdeckungen im Tiermodell, auch auf den Menschen übertragen lassen“, erklärt Busche. (NE)