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17.10.2018 | Demenz | Nachrichten

Mehr Selbstbestimmung auf dem „Pflege-Bauernhof“

Stallausmisten und Kühe melken als Aktivierungsmaßnahme? Auf Bauernhöfen für Menschen mit Demenz wird die Versorgung der Bewohner einfach in den Alltag integriert. Ganz nebenbei sorgt das Konzept „Green Care Farming“ auch für mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität.

Bis 2050 wird in Deutschland die Zahl der Menschen mit Demenz auf rund 3 Millionen klettern und sich damit nahezu verdoppeln. Daher steigt auch der Bedarf an neuen alternativen Versorgungskonzepten. Denn, wie Professor Johannes Gräske von der HTW des Saarlandes, erläutert: „Das System der stationären Langzeitpflege ist nur unzureichend auf die komplexen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen eingerichtet.“

In der aktuellen Ausgabe der PFLEGEZEITSCHRIFT stellt der Pflege- und Gesundheitswissenschaftler mit Kolleginnen das Konzept des Green Care Farming vor. In den Niederlanden gäbe es bereits 1.000 Einrichtungen, die Landwirtschaft und Pflege verbinden, davon 250 für Menschen mit Demenz. In Deutschland sind solche „Pflege-Bauernhöfe“ hingegen deutlich weniger verbreitet.  Noch – denn das Konzept hat Studien zufolge viele positive Effekte. So haben die Bewohner mehr Appetit, trinken besser und sind vielfach gesünder als Menschen in „klassischen“ Pflegeeinrichtungen. Gräske sieht aber noch einen weiteren Vorteil: „Die Bewohner fühlen sich zugehörig, verantwortlich und naturverbunden“, erklärt er. Sie erhalten nicht nur Pflege, sondern geben auch etwas zurück. Sei es bei der Versorgung der Tiere, bei der Gartenarbeit oder beim Marmeladekochen. Auch einer Vereinsamung der Bewohner wird wirksam vorgebeugt. Denn die verschiedenen Aktivitäten bringen sie zwangsläufig mit anderen Menschen in Kontakt. Und die sozialen Kontakte schließen auch Menschen außerhalb der Einrichtung ein. Im Prinzip der „umgekehrten Inklusion“ engagieren sich auf vielen Höfen Familienangehörige, Ehrenamtliche oder gar ganze Schulklassen.  (ne)

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