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Jede/r Vierte laut Studie betroffen Dekubitusgefahr im OP: Wehret den Anfängen!

In einer türkischen Studie war jede/r vierte Patientin oder Patient unmittelbar postoperativ von einem Dekubitus im Stadium I betroffen. Der größte Risikofaktor war die Op. in Rückenlage, aber auch Diabetes, Übergewicht, höheres Alter und längere Eingriffsdauer ließen das Risiko steigen.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Manchmal genügen schon Minuten in ungünstiger Lage auf dem Op.-Tisch, um Zell- und Gewebsschäden an der Haut hervorzurufen. Hält der Druck länger an, kann es zu lokaler Ischämie und letztlich zur Nekrose kommen. Selten scheinen solche Op.-Folgen nicht zu sein: In internationalen Studien wird der Anteil der operationsbedingten Dekubitusschäden an der Gesamtheit der Druckgeschwüre, die stationär behandelt werden müssen, mit rund 45% angegeben.

Die Gruppe um Osman Usul von den Pamukkale-Universitätskliniken im türkischen Denizli hat jetzt 140 präoperativ ausgewählte Fälle aus chirurgischen Abteilungen ausgewertet, die zwischen November 2023 und Juli 2024 operiert wurden. 51% der Teilnehmenden waren weiblich, 31% befanden sich im Alter zwischen 40 und 59 Jahre, 16% waren älter als 70. Immerhin 56% hatten keine Begleiterkrankung, jede/r Dritte litt jedoch an einer Gefäßerkrankung und jede/r Zehnte an Diabetes.

Postoperativ wurden am häufigsten Druckstellen am Rücken inklusive Sakral- und Thoraxbereich (8%) registriert, gefolgt von Kniekehle (4%), Fersen (3%), Brüsten (3%), Trochanter major (2%) und Nase (2%). Jeweils zwei Betroffene hatten Druckstellen am Knie bzw. am Beckenkamm.

Rückenlage als Risikofaktor

Einer Regressionsanalyse zufolge hatten Personen, die in Rückenlage operiert wurden, ein deutlich höheres Dekubitusrisiko als in Bauch- oder Steinschnittlage Operierte (p = 0,023). Ab einer Op.-Dauer von zwei Stunden ging das Risiko hoch, allerdings nicht signifikant. Dem Team zufolge waren ein höherer BMI und insbesondere Adipositas signifikant mit schwereren Druckschäden assoziiert. Keine signifikante Assoziation fand sich überraschenderweise für die Art der Unterlage, die Art der Anästhesie oder die Lagerung der Extremitäten.

Dekubituszeichen trotz Matratze

Unmittelbar postoperativ zeigte jede/r Vierte Anzeichen eines erstgradigen Druckgeschwürs (Klasse I gemäß National Pressure Ulcer Advisory Panel, NPUAP; diese bezeichnet eine nicht wegdrückbare Rötung der Haut, die schmerzhaft und von veränderter Konsistenz sein kann). Dabei waren, wie Usul et al. betonen, nahezu alle Patienten auf viskoelastischen OP-Auflagen und entsprechenden Polstern gebettet worden, mit anatomischer Positionierung der Extremitäten in 79% aller Fälle.

Auf der ELPO*-Skala, welche Art der Lagerung, Dauer des Eingriffs, Art der Anästhesie, unterstützende Materialien, Extremitätenlagerung, Begleiterkrankungen und Alter beurteilt, zeigen Werte von 20 oder mehr (von maximal 35) ein hohes Dekubitusrisiko an. Mit einem solchen signifikant assoziiert waren vor allem drei Faktoren auf Patientenseite:

Alter zwischen 70 und 79 Jahren (p = 0,000), eine bestehende Diabeteserkrankung (p = 0,001) und weibliches Geschlecht (p = 0,036).

ELPO-Skala erkennt Risikopatienten

Laut Usul und Kollegen entsprachen insgesamt 18% aller Teilnehmenden der Hochrisiko-Kategorie laut ELPO-Score. In der Skala sieht das Team „ein wertvolles Tool für chirurgische Teams, um Hochrisikopatienten zu identifizieren, die zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen gegen Dekubitus benötigen“.

Generell gelte ein Dekubitus im Stadium I zwar als „oberflächlich“. Man müsse sich jedoch im Klaren ein, dass auch hier bereits Gewebsschäden vorhanden seien, die ein sorgfältiges intraoperatives Haut-Assessment erfordern. „Die sofortige Identifikation von Druckschäden sowie der umgehende Einsatz geeigneter Unterlagen und verstärkter pflegerischer Maßnahmen sind entscheidend, um ein Voranschreiten zu vermeiden“, schreibt das Team.

*Risk Assessment Scale for the Development of Injuries Due to Surgical Positioning

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie häufig kommt es Op.-bedingt zu Druckgeschwüren und welche Risikofaktoren stehen damit in Zusammenhang?

Antwort: In einer türkischen Studie zeigte jede/r Vierte unmittelbar postoperativ Anzeichen eines Dekubitus im Stadium I. Nach Op. in Rückenlage, im Fall von Diabetes sowie bei höherem BMI war das Risiko signifikant erhöht. Aber auch höheres Alter und längere Op.-Dauer ließen das Risiko steigen.

Bedeutung: Vor allem bei Personen mit hohem Risiko (laut ELPO-Score) sollte ein sorgfältiges Monitoring, ggf. mit Umlagerung und individuellem Pflegeprotokoll erfolgen.

Einschränkung: Monozentrische Studie mit ausgewählten Patienten; 80% der Teilnehmenden bereits nach 24 Stunden entlassen.

Quelle: Springer Medizin


Bildnachweise
OP-Team bei der Arbeit/© thout ©: