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26.09.2018 | Chirurgie | Nachrichten

Sturzfraktur: Interprofessionelle Behandlung senkt Sterberisiko

Ein Oberschenkelhalsbruch birgt für betagte Menschen immer die Gefahr, dauerhaft pflegebedürftig zu werden oder an Komplikationen zu versterben. Eine strukturierte gemeinsame  Versorgung durch Unfallchirurgen und Altersmediziner kann dieses Risiko deutlich reduzieren.

Sturzfraktur © Picture-Factory / stock.adobe.com

Zehn Prozent der in der Regel betagten Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach ihrem Sturz. Bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen in eine Pflegeeinrichtung einziehen. „Das sind bestürzende Zahlen“, erklärte heute der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Professor Joachim Windolf, in Berlin.  Diese dramatische Mortalitätsrate gelte es zu senken, betonte auch Professor Jürgen M. Bauer, Past-President der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie.  

Die beiden Fachgesellschaften stellten heute das „Weißbuch Alterstraumatologie“ vor, das die wichtigsten Schritte für eine gute Versorgung von älteren Patienten mit Knochenbrüchen aufführt. Kern der Empfehlungen ist die Zusammenarbeit von Unfallchirurgen und Altersmedizinern in einem multiprofessionellen Team. Durch diese Kooperation soll verhindert werden, dass sich der ohnehin eingeschränkte Allgemeinzustand der Patienten weiter verschlechtert.

Studie: Sterblichkeit sinkt um 20 Prozent

„Diese Zusammenarbeit verbessert die Überlebensrate unserer Patienten drastisch“, erklärte Professor Dr. Clemens Becker, Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart. Eine aktuelle Studie (PROFinD) habe gezeigt: Arbeiten Unfallchirurgen, Altersmediziner, Physiotherapeuten sowie Sozial- und Pflegedienst in einem Team zusammen, sinkt die Sterblichkeit älterer Frakturpatienten um mehr als 20 Prozent.

Daneben sehen die Empfehlungen der Fachgesellschaften vor, dass ältere Frakturpatienten noch am Tag des Sturzes operiert werden. Dabei sollten möglichst schonende OP-Techniken zum Einsatz kommen, die eine rasche Mobilisierung und Rehabilitation des Patienten ermöglichen. Darüber hinaus müsse die Behandlung die Begleiterkrankungen der Patienten berücksichtigen und eine Schmerztherapie dem Alter angepasst werden.

„Nur durch eine strukturierte Versorgung können Patienten rasch operiert werden, gefährliche Medikamentenkombinationen vermieden und die Delirrate gesenkt werden. Unser Ziel ist, die Selbstständigkeit und damit die Selbstbestimmung unserer Patienten zu erhalten“, sagte Professor Ulrich Liener, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie.

Umgesetzt werden die Behandlungsempfehlungen bereits in den mehr als 100 zertifizierten Alterstraumazentren. DDG und DGU fordern jetzt den Gemeinsamen Bundesausschuss dazu auf, diese strukturierte Behandlung zur Regelversorgung zu machen. (ne)

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