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07.06.2021 | Brustkrebs | Nachrichten

Chemotherapie: Welchen Einfluss hat der Krankenhaus-Typ?

Autor:
Dr. Beate Schumacher

Frauen mit frühem Brustkrebs erhalten in Deutschland heute seltener als vor zehn Jahren eine Chemotherapie. Ob die Patientinnen an einer Uniklinik oder einem kommunalen Krankenhaus behandelt werden, scheint dabei (fast) keine Rolle zu spielen.

Die verbesserte Risikoabschätzung bei frühem Brustkrebs ermöglicht es heute, vielen Patientinnen eine Chemotherapie zu ersparen. Gleichzeitig hat eine Verschiebung von der adjuvanten (ACT) zur neoadjuvanten Chemotherapie (NACT) stattgefunden, weil damit häufiger eine Komplettremission erreicht wird. Beide Entwicklungen sind auch in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich nachzuvollziehen – und dies nicht nur in Universitätskliniken mit großen Fallzahlen, wie Wissenschaftler um Fabian Riedel von der Universität Heidelberg herausgefunden haben: „Unsere Ergebnisse sprechen für eine bundesweit vergleichbare Versorgung von frühem Brustkrebs, unabhängig vom institutionellen Setting.“

Überall ein Viertel weniger Chemotherapien

Die Analyse beruht auf dem Register des Westdeutschen Brust-Centrums Düsseldorf. Ausgewertet wurden die Daten von rund 124.000 Frauen mit invasivem frühem Brustkrebs, die von 2008 bis 2017 in kurativer Absicht behandelt worden waren, davon 11,6% an Universitätskliniken, 63,1% an Lehrkrankenhäusern und 25,3% an kommunalen Krankenhäusern. Insgesamt hatten 37,3% der Frauen eine Chemotherapie erhalten, davon ein Drittel als NACT.

Im Beobachtungszeitraum war der Anteil der Patientinnen mit Chemotherapie in allen drei Krankenhaustypen zurückgegangen, von 48,3% auf 36,4% in den Universitätskliniken, von 40,7% auf 30,3% in den Lehr- und von 42,4% auf 33,7% in den Kommunalkrankenhäusern. Der Rückgang betraf vor allem Frauen mit Hormonrezeptor-positiven HER-2-negativen Tumoren.

Etwas mehr NACT in Unikliniken

Der Anteil der NACT an den Chemotherapien hatte ebenfalls in allen drei Einrichtungen stark zugenommen, die höchsten Quoten wurden an den Universitätskliniken erreicht, mit einem Anstieg von 32,0% auf 68,1% (Lehrkrankenhäuser von 16,2% auf 54,7%, kommunale Krankenhäuser von 22,4% auf 58,3%). Beim Anteil der Patientinnen mit NACT und pathologischer Komplettremission verloren die Universitäten mit der Zeit ihre ursprüngliche Vorrangstellung, 2017 wurden in allen drei Einrichtungen ähnliche Werte erreicht (26,0%, 30,5% und 31,3%).

Ob die jährlichen Fallzahlen bei maximal 100, unter oder über 250 lagen, wirkte sich in keiner Weise auf den Einsatz einer Chemotherapie aus. Die geringfügigen Unterschiede, die die Studie zum Teil zutage gefördert hat, wie die etwas höheren Chemotherapieraten an Unikliniken, hängen nach Einschätzung der Studienautoren mit der unterschiedlichen Zusammensetzung der Patientinnen an verschiedenen Einrichtungen zusammen. Zum Beispiel waren die an Universitätskliniken behandelten Frauen im Schnitt etwas jünger und hatten häufiger ein triple-negatives Mammakarzinom.

Literatur
Bildnachweise