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06.07.2016 | Originalien

Blasenentleerungsstörungen bei geriatrischen Patient(inn)en

Korrelation mit altersassoziierten funktionellen Defiziten

Zeitschrift:
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie
Autoren:
Dr. H. Talasz, M. Gosch, M. Kofler, M. Lechleitner

Zusammenfassung

Hintergrund

Blasenentleerungsstörungen stellen ein häufiges Problem älterer Menschen dar. Die Prävalenz und Inzidenz sind besonders hoch bei Patient(inn)en mit fortgeschrittener Pflegebedürftigkeit und demenziellen Erkrankungen.

Studienziel

Ziel der vorliegenden Auswertungen war es, die Beziehung zwischen der Diagnose einer Blasenentleerungsstörung und den im Rahmen eines umfassenden geriatrischen Assessments definierten altersassoziierten funktionellen Defiziten darzulegen. Dies ist von großer Bedeutung hinsichtlich der Umsetzbarkeit weiterer diagnostischer Verfahren (Miktionsprotokolle) und therapeutischer Interventionen (Blasentraining).

Studiendesign

Im Rahmen einer retrospektiven Analyse der Ergebnisse der strukturierten Testverfahren des multidimensionalen geriatrischen Assessments wurden die Daten von 7487 Patient(inn)en (mittleres Alter 78,9 ± 7,2 Jahre; 74,1 % weiblich, 25,9 % männlich) evaluiert. Die Diagnose der Blasenentleerungsstörung erfolgte anhand eines Anamnesefragebogens, in dem die persönliche Anamnese mit den Patient(inn)en, objektive Angaben von Pflegepersonen und die Notwendigkeit externer Harnableitungen berücksichtigt wurden.

Ergebnisse

Insgesamt 4494 Patient(inn)en (60 %) wiesen Blasenentleerungsstörungen auf. Bei 95,8 % wurden relevante funktionelle Defizite in drei oder mehr der getesteten Funktionsbereiche festgestellt. Das Ausmaß der funktionellen Einschränkungen war mit dem Schweregrad der Blasenentleerungsstörung assoziiert. Frauen waren häufiger und in einem höheren Ausmaß sowohl von Blasenentleerungsstörungen als auch von funktionellen Einschränkungen betroffen als Männer.

Diskussion

Die Ergebnisse unserer Querschnittsanalyse zeigen auf, dass über die Hälfte der geriatrischen Patient(inn)en an Blasenentleerungsstörungen litten. Über 90 % davon zeigten im multidimensionalen Assessment funktionelle Defizite in mehreren Bereichen. Diese Datenlage weist auf die Notwendigkeit einer Berücksichtigung möglicher gravierender Einschränkungen bei der Indikationsstellung zur Durchführung von Miktionsprotokollen und Empfehlungen zum Blasentraining hin.

Kernaussage

Funktionelle Defizite müssen bei geriatrischen Patient(inn)en mit Blasenentleerungsstörungen auch in Bezug auf diagnostische und therapeutische Verfahren berücksichtigt werden, da die Qualität der Umsetzung dadurch beeinträchtigt sein kann.

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Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie

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