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13.01.2021 | Bildung | Nachrichten

Gehörlose im letzten Lebensabschnitt begleiten

Die Hochschule Landshut will zusammen mit dem Krankenhaus Achdorf die Palliativversorgung gehörloser Menschen verbessern. Deaf Pal heißt das Forschungsprojekt, in dem Fachkräfte die Kommunikation mit Gehörlosen erlernen.

Deaf Pal © Hochschule LandshutProf. Dr. Uta Benner (Professorin im Studiengang Gebärdendolmetschen und Studiendekanin der Fakultät Interdisziplinäre Studien) und Wolfgang Sandtner (Oberarzt und ärztlicher Leiter der Palliativstation am Krankenhaus Achdorf) freuen sich auf das Projekt.

Gehörlose Menschen sind in der Welt der Hörenden fast immer auf sich gestellt und häufig gesellschaftlich isoliert. Das gilt auch für Krankenhäuser, die in der Regel nicht an die besonderen Bedürfnisse gehörloser Menschen angepasst sind. Besonders gravierend wirkt sich die Isolation in einer Palliativsituation aus, in der Menschen besondere Unterstützung benötigen. Doch die wenigsten Fachkräfte für Gesundheits- und Krankenpflege beherrschen die Gebärdensprache oder sind geschult im Umgang mit gehörlosen Menschen.
 

Inklusion leben – auch in der Palliativversorgung

Gerade in einer existenziell bedrohlichen Lebensphase spielt neben der medizinischen Versorgung die Kommunikation und die seelisch-emotionale Unterstützung von unheilbar kranken Menschen eine große Rolle. Mit dem Ziel, die grundlegende Palliativversorgung gehörloser Menschen zu verbessern, startet nun an der Hochschule Landshut das Forschungsprojekt „Deaf Pal – Kommunikation in der Palliativversorgung gehörloser Menschen“. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Uta Benner von der Hochschule Landshut. Sie arbeitet eng mit Oberarzt Wolfgang Sandtner, dem ärztlichen Leiter der Palliativstation am Krankenhaus Landshut-Achdorf zusammen.

„Mit Deaf Pal machen wir einen großen Schritt, um die Situation gehörloser Menschen weiter zu verbessern und die Sensibilität für das Thema Inklusion in der Gesellschaft zu erhöhen“, so Benner. In mehreren Etappen erarbeitet ein Team der Hochschule Landshut zusammen mit dem Krankenhaus Landshut-Achdorf Konzepte für eine barriereärmere Palliativversorgung. Dazu gehören Lösungsansätze für die allgemeine Aufklärungsarbeit bei gehörlosen Menschen und deren Angehörigen, Vorschläge für eine angepasste technische Infrastruktur und die Schulung des medizinischen Personals. „Konkret streben wir an, Materialien für gehörlose Menschen und Versorgende im Krankenhaus zu erarbeiten sowie ein Schulungsmodul (primär für medizinisches Fach- und Pflegepersonal) zu entwickeln“, erläutert Benner.


Anspruch auf körperliche und geistige Gesundheit

Gesellschaftspolitisch ist das Projekt sehr aktuell. So heißt es im UN Sozialpakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte: Jeder Mensch hat ein Anrecht auf „das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit", Der Freistaat Bayern bekennt sich in seinen Programmen „Bayern barrierefrei“ und „Inklusion in Bayern“ zu diesem Thema. Doch gerade im Gesundheitsbereich sind die Hürden für besondere Gruppen, wie beispielsweise gehörlose Menschen, nochmals höher – angefangen bei der telefonischen Vereinbarung von Terminen oder dem mündlichen Aufruf im Wartezimmer bis hin zum Arzt-Patientengespräch oder eben der palliativen Versorgung. Ohne Gebärdensprachdolmetscher oder Angehörige sind diese Situationen kaum zu meistern. „Und genau hier knüpft unser Projekt Deaf Pal an. Wir wollen miteinander daran arbeiten, dass im Bereich der Palliativmedizin auch Gehörlose auf ihrem letzten Lebensweg Beachtung finden und wir die Lebenssituation in diesem Stadium verbessern“, so der Wunsch von Sandtner. (sk)

Das Projekt

Das Projekt „Deaf Pal - Kommunikation in der Palliativversorgung gehörloser Menschen“ läuft von Januar 2021 bis Dezember 2023. Projektleiterin an der Hochschule Landshut ist Prof. Dr. Uta Benner, Professorin im Studiengang Gebärdensprachdolmetschen und Studiendekanin der Fakultät Interdisziplinäre Studien. Zum Forschungsteam gehören außerdem Prof. Dr. Sabine Fries, gehörlose Expertin auf dem Gebiet der Deaf Studies, und Prof. Dr. Clemens Dannenbeck, Experte für Inklusionsforschung, Diversity und Disability Studies. Projektpartner ist die Palliativstation des LAKUMED Krankenhaus Landshut-Achdorf unter Leitung von Oberarzt Wolfgang Sandtner. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert das Projekt mit 250.000 Euro.

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