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07.04.2021 | Bildung | Nachrichten

DPR: Akademischer Berufsausbildung die Fesseln nehmen

Die akademische Pflegeausbildung kommt nicht in Fahrt. Im Gegenteil: Die Studierendenzahlen brechen aktuell ein. Der Deutsche Pflegerat (DPR) und die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) haben die Gründe ausgemacht und fordern ein massives Gegensteuern.

Dass Deutschland mehr hochschulisch ausgebildete Pflegefachpersonen braucht, ist angesichts veränderter Bedarfe und immer komplexerer Anforderungen an den Pflegeberuf Konsens. Der Wissenschaftsrat fordert eine Quote von mindestens 10-20 % akademisch ausgebildeten Pflegekräften pro Jahrgang. Auch nach dem Willen der Konzertierte Aktion Pflege (KAP) soll die Zahl der Studienplätze deutlich steigen. Im Pflegeberufegesetz wurde ergänzend zur beruflichen Ausbildung das primärqualifizierende Pflegestudium eingeführt. Doch die Studierendenzahlen für klinisch Pflegende entwickeln sich wenig erfreulich, wie DPR und DGP feststellen:

„Weniger als 50 Prozent der vorhandenen Studienplätze für die hochschulische Ausbildung von Pflegefachpersonen sind aktuell belegt“, beklagte DPR-Vize-Präsidentin Christine Vogler Ende März.  „Die akademische Ausbildung der Pflege bricht ein“. Die Gründe für diese Entwicklung sehen DPR und DGP vor allem in fehlenden oder unzureichenden Regelungen des Pflegeberufegesetzes, wie sie in einem gemeinsamen Statement ausführen.

Studium versus Ausbildung mit gesichertem Einkommen

Kritisiert wird unter anderem die fehlende Vergütung der Praxiseinsätze bei Pflegestudierenden. Diese sei ein wesentlicher Grund für den Negativtrend. Der Umfang der Praxiseinsätze mit Schicht- und Wochenenddiensten erschwert zudem die Möglichkeit, wie andere Studierende nebenbei einer Beschäftigung nachzugehen. Vor diesem Hintergrund würden sich Studierwillige die Frage stellen, ob sie sich nicht doch besser für eine Ausbildung an der Berufsfachschule mit gesichertem Einkommen entscheiden sollten.

Darüber hinaus fehle die Refinanzierung der Praxisanleitung der Studierenden, was die Kooperationsbereitschaft der Praxispartner ausbremst. Auch die Hochschulen selbst sind aus Sicht von DPR und DGP finanziell unzureichend ausgestattet. Der akademische Mittelbau für die Begleitung der Studierenden fehlt ebenso wie die nötigen Skill Labs.

In ihrem Statement drängen DPR und DGP die Politik daher im Wesentlichen zu drei Maßnahmen:

  1. Vergütung der umfangreichen Praxiseinsätze der Studierenden. Der Bundesgesetzgeber müsse die Rahmenbedingungen für ein primärqualifizierendes Pflegestudium analog dem Hebammenreformgesetz schaffen. 
  2. Refinanzierung der Praxisanleitung, um die Ausbildungsbereitschaft von Praxiseinrichtungen zu fördern.
  3. Unterstützung der Hochschulen für den Auf- und Ausbau primärqualifizierender Pflegestudiengänge, damit diese personell und materiell ausgestattet sind und weitere Studienplätze schaffen können.

Um die angestrebte höhere Akademisierungsquote zu erreichen, müssen Berechnungen zufolge künftig massiv neue Studienplätze geschaffen werden. „Benötigt werden in den nächsten zehn Jahren 10.000 Studienplätze zusätzlich", so Christine Vogler. "Derzeit sind diese nicht in Sicht. Nur dann, wenn der akademischen Berufsausbildung die Fesseln genommen werden, kann die derzeitige Abwärtsbewegung umgekehrt werden“. DGP und DPR rufen die Politik auf, sich dieser Problematik unverzüglich anzunehmen.  (ne)


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