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Schwedisches Modell Schwangerschaftsabbrüche: Schweden setzt auf Hebammenkompetenz

In Schweden gilt Abtreibung als wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsversorgung – und Hebammen nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Die International Confederation of Midwives (ICM) zeigt in einem aktuellen Bericht, wie das System heute funktioniert, welche Verantwortung Hebammen übernehmen und warum das schwedische Modell international als Vorbild dienen könnte.

Nach Angaben der ICM hat sich die Abtreibungsversorgung in Schweden über die Jahrzehnte hinweg so weiterentwickelt, dass Hebammen heute einen Großteil der Betreuung bei frühen medizinischen Abbrüchen verantworten. Zwar sieht das Gesetz weiterhin Ärzt*innen als verantwortliche Fachpersonen vor, doch die klinische Praxis hat sich deutlich angepasst: Hebammen begleiten die Versorgung gesunder Frauen bis etwa zur 10. Schwangerschaftswoche und übernehmen zentrale Aufgaben, die früher ausschließlich Ärzt*innen vorbehalten waren. Entscheidend war laut ICM insbesondere Forschung des Karolinska Instituts, die nachweist, dass Hebammen frühe medikamentöse Abbrüche sicher, wirksam und mit hoher Zufriedenheit der Patientinnen betreuen können.

Von der Beratung bis zur Nachsorge

Da der überwiegende Teil der Abbrüche in Schweden medikamentös und früh in der Schwangerschaft erfolgt, übernehmen Hebammen eine breite Palette an Aufgaben entlang des gesamten Versorgungsprozesses. Für die meisten Frauen beginnt die Betreuung mit einem Anruf bei einer Hebamme, die über die verschiedenen Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs informiert und eine Beratung zur Empfängnisverhütung anbietet. Anschließend unterstützt sie bei der Terminvereinbarung. In der Klinik führen Hebammen Beratungsgespräche, erstellen Ultraschalluntersuchungen zur Feststellung des Schwangerschaftsalters und leiten den Abbruch entsprechend den nationalen Vorgaben ein.

Viele Frauen, insbesondere im frühen Schwangerschaftsstadium, entscheiden sich dafür, den medikamentösen Abbruch zu Hause durchzuführen. Dies wird durch klare Anweisungen, Schmerzlinderung und einen 24/7-Telefondienst unterstützt, während die Nachsorge weiterhin von einer Hebamme begleitet wird. Frauen, die einen chirurgischen Eingriff benötigen oder sich dafür entscheiden, erhalten zeitnah einen Termin im selben Gesundheitssystem. Ärztinnen und Ärzte werden einbezogen, wenn Komplikationen auftreten oder ein operativer Eingriff notwendig ist.

Mehr Qualität und Effizienz

Studien belegen, dass Frauen die Versorgung in Schweden als gut zugänglich und transparent erleben. Besonders geschätzt werden klare Informationen, kurze Wege und echte Wahlfreiheit bezüglich des Ortes und der Methode des Abbruchs. Die Betreuung durch Hebammen wird in ihrer Qualität als gleichwertig zur ärztlichen Versorgung bewertet, was zur hohen Zufriedenheit der Patientinnen beiträgt. Darüber hinaus führt das Modell zu mehr Effizienz im Gesundheitssystem, da Hebammen in größerer Zahl verfügbar sind und Ärzt*innen entlasten.

Die ICM betont zudem einen weiteren positiven Effekt: Die starke Einbindung von Hebammen trägt entscheidend zur Entstigmatisierung von Schwangerschaftsabbrüchen bei. Dies schafft ein respektvolles Umfeld für Frauen und verdeutlicht, dass Abbrüche kein Sonderbereich, sondern Teil umfassender sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung sind.

Ein Modell mit internationaler Bedeutung

Aus Sicht der ICM zeigt Schweden, wie Hebammen im Rahmen eines klar strukturierten Systems Verantwortung übernehmen können, auch ohne, dass gesetzliche Regelungen vollständig angepasst sein müssen. Entscheidend seien eine solide Ausbildung, evidenzbasierte Protokolle, interprofessionelle Zusammenarbeit und ein Gesundheitssystem, das Hebammen vertraut und ihnen ermöglicht, ihre Kompetenzen voll auszuschöpfen. Das schwedische Modell verdeutlicht, dass Fortschritte schrittweise möglich sind – und könnte daher auch international als Orientierung dienen.

internationalmidwives.org

Bildnachweise
Eine Frau berät eine andere Frau, die schwanger ist/© Photographee.eu / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)