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S3-Leitlinie zur Säuglingsernährung Neue Leitlinie empfiehlt späteren Beikoststart

Eine neue S3-Leitlinie empfiehlt ab sofort sechs Monate ausschließliches Stillen und eine Beikosteinführung ab dem siebten Lebensmonat. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) begrüßt diese Anpassung ausdrücklich und sieht darin einen wichtigen Schritt für die Gesundheit von Kindern und Müttern.

Mit der neuen S3-Leitlinie zur Stilldauer folgt Deutschland nach rund 15 Jahren wieder den etablierten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Diese rät seit Langem dazu, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und Beikost erst ab Beginn des siebten Monats einzuführen.

Die Leitlinie wurde federführend von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) sowie weiteren Fachgesellschaften erarbeitet.

DHV: „Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“

Kathrin Herold, kommissarische DHV-Bundesbeauftragte für Stillen und Ernährung, hebt die Bedeutung der Aktualisierung hervor: „Mit der Veröffentlichung kehrt Deutschland nach gut 15 Jahren Sonderweg zur international etablierten WHO-Empfehlung zurück.“ Stillen sei ein zentraler physiologischer Prozess mit großer Bedeutung für die Gesundheit von Stillenden und Kindern, so Herold weiter. Die Leitlinie setze hier ein deutliches Zeichen – gerade in einem Bereich, in dem gesellschaftlicher Nutzen häufig gegen wirtschaftliche Interessen verteidigt werden müsse.

Auch DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer sieht in der Leitlinie eine wichtige Weichenstellung. Sie hofft auf eine insgesamt längere Stilldauer in Deutschland, die bislang im internationalen Vergleich eher niedrig ausfällt. „Stillen bietet nicht nur zahlreiche gesundheitliche Vorteile für das Kind, sondern auch für die Mutter“, betont sie. Studien zeigten, dass stillende Mütter – korreliert mit der Stilldauer – auch im späteren Leben gesünder seien. Eine stärkere Orientierung an den WHO-Empfehlungen könne daher langfristig die Frauengesundheit fördern, der nach wie vor zu wenig Beachtung zukomme.

Schluss mit dem deutschen Sonderweg

Bisher lautete die Empfehlung in Deutschland, Säuglinge vier bis sechs Monate ausschließlich zu stillen und anschließend nach Bedarf weiterzustillen. International rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch dazu, sechs Monate ausschließlich zu stillen und danach bis zu zwei Jahre oder länger weiterzustillen.

Deutschland wich aufgrund von Studien zur Allergieprophylaxe vom internationalen Konsens ab. Diese hatten nahegelegt, dass die Einführung potenziell allergener Nahrungsmittel während der Stillzeit sinnvoll sei – ohne jedoch eine frühere Beikosteinführung als gesamte Strategie zu stützen.

Ein zweiter Teil der neuen S3-Leitlinie ist bereits angekündigt. Darin soll detailliert ausgearbeitet werden, wie Stillinitiierung und Stillfortführung insbesondere im ambulanten Bereich besser unterstützt werden können. Ein Erscheinungsdatum steht bislang jedoch nicht fest.

dhv.de

Bildnachweise
Eine Mutter stillt ihr Baby/© SeventyFour / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)