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Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 5/2021

10.07.2020 | Originalien

Balance zwischen strukturierten Aktivitäten und individuellen Freiräumen

Vorstellungen vom Ruhestand von Menschen mit intellektueller und psychischer Beeinträchtigung

verfasst von: Marie Gentz, Frauke Strickrodt, Prof. Dr. Sandra Verena Müller

Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 5/2021

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Zusammenfassung

Hintergrund

Die Anzahl von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen, die das Rentenalter erreichen, ist in den letzten 10 Jahren um mehr als zwei Drittel angestiegen.

Ziel der Arbeit

Durch die große Anzahl an Renteneintritten dieser Personengruppe sind die Einrichtungen der Eingliederungshilfe gefordert, entsprechende Angebote bereitzustellen, sowohl in Bezug auf den Übergang in den Ruhestand als auch für die Zeit des Ruhestands.

Methode

In mehreren Werkstätten für behinderte Menschen, die großenteils im städtischen Kontext angesiedelt sind, wurden Interviews zum Thema Gestaltung des Ruhestands mit angehenden Ruheständlern geführt.

Ergebnisse

Diese ergaben, dass sich Menschen mit intellektuellen und psychischen Beeinträchtigungen einen Ausgleich zwischen strukturierten Gruppenangeboten und individuell gestalteter Zeit wünschen. Sportliche und kreative Angebote wurden als positiv beurteilt. Die Aufrechterhaltung des zwischenmenschlichen Kontakts hat bei den Befragten einen hohen Stellenwert. Der bevorstehende Ruhestand wurde von einem Großteil der Befragten wegen der damit verbundenen „neuen Freiheit“ als positiv bewertet. Sorgen um die finanzielle Situation im Alter machten sich nur wenige.
Fußnoten
1
Wie Menschen mit einer geistigen Behinderung oder einer intellektuellen Beeinträchtigung bezeichnet werden, ist einem ständigen Wandel unterworfen. Diskriminierende Begriffe wie Idiotie, Schwachsinn oder „mental retardation“ verschwanden. Um Diskriminierung zu vermeiden, wurden zahlreiche Synonyme vorgeschlagen. Im biopsychosozialen Modell der Weltgesundheitsorganisation wird Behinderung als funktionelle Einschränkung in einer bestimmten Lebenssituation, die durch Umweltfaktoren verursacht wird, verstanden. Alternativ wird der Begriff Menschen mit Lernschwierigkeiten von der britische People-First-Bewegung vorgeschlagen. Dieser Begriff ist allerdings missverständlich, da er auch für Menschen mit Legasthenie oder Dyskalkulie verwandt wird. Im englischsprachigen Raum hat sich der Begriff „intellectual disability“ mehrheitlich durchgesetzt, daher soll im folgenden Artikel die deutsche Übersetzung „Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung“ verwendet werden.
 
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Metadaten
Titel
Balance zwischen strukturierten Aktivitäten und individuellen Freiräumen
Vorstellungen vom Ruhestand von Menschen mit intellektueller und psychischer Beeinträchtigung
verfasst von
Marie Gentz
Frauke Strickrodt
Prof. Dr. Sandra Verena Müller
Publikationsdatum
10.07.2020
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie / Ausgabe 5/2021
Print ISSN: 0948-6704
Elektronische ISSN: 1435-1269
DOI
https://doi.org/10.1007/s00391-020-01749-8

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