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04.05.2020 | Ausbildung | Nachrichten

Pflegeausbildung: Unterrichtsformate neu denken

Werden die Auszubildenden an den Pflegeschulen in diesem Jahr wie geplant ihre Abschlüsse machen können? Wir fragten Christine Vogler, Geschäftsführerin des Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH.

Christine Vogler leitet die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Wannsee. © Michael BahloChristine Vogler, Geschäftsführerin des Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe gGmbH (© Michael Bahlo)

Wie ist die Ausbildung am Berliner Bildungscampus zur Zeit organisiert?

Vogler: Die Ausbildung läuft organisatorisch wie geplant weiter. Wenn Praxis geplant ist, gehen die Auszubildenden in die praktischen Einsätze. Die Theorieblöcke finden während der Schulschließungszeiten ausschließlich als „Fernunterricht“ statt. Hier sind die Kollegen und Kolleginnen sehr engagiert und haben in den letzten Wochen unglaublich viel Engagement gezeigt um die Inhalte  der Lehrpläne mit den Lernenden zu teilen und zu bearbeiten.

Ich gehe jetzt mal vom digitalen Unterricht aus. Welche sind die größten Probleme?

Vogler: Naja – alles redet vom digitalen Lernen, aber letztendlich haben wir diese Methodiken  an den Schulen noch nicht strukturiert in die Curricula einarbeiten können. Dazu fehlten und fehlen uns die Voraussetzungen. Begonnen von digitalen Lernplattformen, nötiger Software und dazugehörigem Nutzerwissen bis dahin, dass die Lernenden nicht alle über die nötigen Endgeräte wie Laptops oder Tablets verfügen, um digital arbeiten zu können. Die Situation um Corona zwingt die Schulen, ganz neu über Unterrichtsformate nachzudenken. Und das in der Kombination mit der Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes  schafft gerade große Herausforderungen.

Wie steht es um die Praxiseinätze der Auszubildenden. Finden die statt, auch in der ambulanten Pflege?

Vogler: Die Träger der praktischen Ausbildung versuchen so gut wie möglich unter den momentanen Bedingungen weiter Ausbildung sicher zu stellen. In den stationären Einrichtungen ist das ganz gut möglich, schwieriger ist es im ambulanten Bereich. Tatsächlich sagen momentan viele ambulante Einrichtungen Einsätze ab. Die Begründungen sind sehr unterschiedlich. Zum Teil mangels Zeit bzw. Personal –Ausbildung kann also nicht sichergestellt werden – bis hin, dass Patienten Auszubildende aus Angst vor einer Infektion nicht in die Wohnungen lassen möchten.

Werden die Auszubildenden in diesem Jahr Ihre Abschlüsse machen können?

Vogler: Prüfungen werden durchgeführt. Die schriftlichen und mündlichen Prüfungen lassen sich unter Einhaltung der Hygienerichtlinien organisieren. Schwieriger sind die praktischen Prüfungen. Der Gesetzgeber hat mit dem 2. Endemiegesetz die Möglichkeit geschaffen, dass die praktischen Prüfungen als Fertigkeitsprüfungen in den Demo- und Skilllaboren der Schulen stattfinden können. Also nicht auf der Station oder in dem Wohnbereich. Wir werden versuchen die praktischen Prüfungen unter den Laborbedingungen so gut wie möglich zu entwickeln und umzusetzen. Wir wollen den Auszubildenden auf jeden Fall ermöglichen, die Ausbildung regulär zu Ende zu bringen. Und die Praxis wartet ja auch schon händeringend auf die Absolventen und Absolventinnen.

Das Interview führte Heike Ottow

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