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04.11.2020 | Ausbildung | Nachrichten

Ausbildung: Stress im Emergency Room

Menschen mit Migrationshintergrund bekommen in der Notaufnahme nicht immer eine optimale Gesundheitsversorgung. Ein Workshop sollte Akteure in der Aus-, Fort- und Weiterbildung hierfür sensibilisieren, um die eigene Haltung zu hinterfragen.

Stress im Krankenhaus © vm / Getty Images / iStock© vm / Getty Images / iStock

Ein Workshop, in dem Lehrende des Gesundheitswesens lernen sollten, Auszubildende für interprofessionelle und interkulturelle Konflikte in der Notaufnahme zu rüsten, wurde mit einer Triangulation verschiedener Erhebungsverfahren wie Beobachtung, Fragebögen und halbstandardisierten Interviews evaluiert. Der Workshop bestand aus einem Trainingsprogramm, bei dem die Teilnehmenden reale Fallbeispiele zunächst mit der Methode des problemorientierten Lernens (POL) bearbeiteten und dann im szenischen Spiel nachstellten. Das sonst in sieben Schritten verlaufende POL wurde hier auf die ersten drei reduziert. Die Evaluation des Lernverfahrens erfolgte entlang der Fragestellung, wie sehr man die Teilnehmer mit diesem Verfahren erreichen konnte und was die Umsetzung dieses Verfahrens förderte und hemmte. Die Evaluation war wesentlich aufwändiger, als es sonst bei Fortbildungsveranstaltungen üblich ist.

Azubis besser vorbereiten

Hintergrund von Veranstaltungen wie dieser sind die sich in letzter Zeit vermehrenden Konflikte zwischen Mitarbeitern in einer Rettungsstelle und Patienten aus allen Teilen der Erde und dem damit einhergehenden Kulturclash. Erschwerend kommen interprofessionelle Konflikte hinzu, die auch durch den unterschiedlichen Machtstatus der Berufe bedingt sind. Für solch konfliktreiche Situationen müssen die Auszubildenden und die in der Rettungsstelle Beschäftigten besser vorbereitet werden. Grundlage einer Verhaltensänderung ist aber, dass sowohl die Lehrenden als auch die Lernenden im selbstreflexiven Prozess beim szenischen Spiel die eigenen, manchmal verborgenen Haltungen identifizieren und bearbeiten. Die Methode eignet sich aber auch, um die Gedanken und Emotionen der anderen Akteure in einer Konfliktsituation besser nachvollziehen zu können und eine Multiperspektivität auf eine komplexe Situation einzunehmen. Die Wissenschaftler finden die Methode des POL und des anschließenden szenischen Spiels im Grundsatz gelungen, wollen lediglich ihre Umsetzung verfeinern und in Zukunft beispielsweise für mehr Methodentransparenz sorgen.

Quelle: Morgenstern U, Süßmilch M (2019): Interprofessionelle Gesundheitsversorgung von Menschen mit Migrationshintergrund in der Notaufnahme. Pädagogik der Gesundheitsberufe 4, 249-261

Kommentar: Unstrittig ist die Aktualität und Relevanz dieses Projekts. Hervorzuheben ist das positive Feedback, das die überwiegende Anzahl der Teilnehmer zum Workshop gab. Nur bleibt offen, ob die positive Resonanz auf den Workshop auch mit einem tiefergehenden Reflexions- und Wandlungsprozess der TN einhergeht oder ob man die Teilnehmer nicht einfach nur oberflächlich subjektiv berührt hat. Um dies zu ermitteln, hätte man eine quantitative Befragung zu mehreren Zeitpunkten durchführen müssen. Außerdem hätte es einer Kontrollgruppe bedurft, bei der keine Intervention stattfindet, um andere Einflussfaktoren als den Workshop auf die Reflexion und Änderung von Haltungen auszuschließen. In einer weiteren Gruppe hätte man eine alternative Intervention testen sollen (z.B. ein eher theoriebasiertes Format). Hinsichtlich eines Drittels der Teilnehmer dieses Workshops, die durch das Programm nicht vollends erreicht werden konnten, ist nämlich zu überlegen, ob sie nicht für andere Formate mit ähnlicher Thematik offener eingestellt sind. (Markus Hieber)

(aus: PflegeZeitschrift 11/2020)

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