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Triage in der Pflege? Hilferuf aus Rheinland-Pfalz

Obwohl keine medizinische Notwendigkeit mehr besteht, belegen viele ältere Patienten bundesweit Betten in Krankenhäusern. Für sie kann nicht rechtzeitig eine Anschluss-Versorgung gefunden werden. In Rheinland-Pfalz schlagen Beraterinnen aus Pflegestützpunkten Alarm und warnen: Vor allem Menschen mit hohem Pflegebedarf haben das Nachsehen.

© SilviaJansen / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)Immer häufiger müssen Seniorinnen und Senioren länger als medizinisch notwendig im Krankenhaus bleiben. 

Pflegestützpunkten und Krankenhäusern fällt es immer schwerer, für Menschen mit hohem Pflegebedarf eine pflegerische Versorgung zu finden. Dem ARD-Politik Magazin „Report Mainz“ liegt ein Papier vor, in dem sich Beraterinnen von rheinland-pfälzischen Pflegestützpunkten an die Politik wenden. Eine der Autorinnen, Monika Kunisch, sagte gegenüber dem Magazin: "Wir sprechen von Pflege-Triage, weil einfach die Dienste und Einrichtungen auswählen. Die wählen aus, um ihr Personal zu entlasten, um ihre Einrichtung zu schützen und da fallen Menschen mit schwerer Pflegebedürftigkeit immer häufiger durchs Raster".

Menschen mit hohem Pflegebedarf bleiben auf der Strecke

Die Altersforscherin, Tanja Segmüller, von der Hochschule für Gesundheit Bochum, hält im Gespräch mit dem Magazin ebenfalls den Begriff "Pflege-Triage" für angemessen: Menschen mit dem geringsten Pflegebedarf hätten die größte Chance, einen Heimplatz zu bekommen. Diejenigen, die am dringendsten Pflege benötigen würden, blieben auf der Strecke.

Die Folge: In einer nicht-repräsentativen Umfrage des Fernsehmagazins bestätigten knapp 88 % der 330 antwortenden Krankenhäuser, Patienten hätten in den vergangenen 12 Monaten mehr als 10 Tage länger als medizinisch notwendig in den Kliniken verbleiben müssen.

Der rheinland-pfälzische Sozialminister, Alexander Schweitzer (SPD) wollte gegenüber "Report Mainz" nicht von Pflege-Triage sprechen. Er sehe nicht, „dass wir, mit Blick auf die tatsächliche Situation“, schon in dieser Situation seien. Bemerkbar mache sich vielmehr der Fachkräftemangel. Dies sei der Grund, weshalb Pflegeeinrichtungen schauen müssten, wen oder ob sie noch jemanden aufnehmen könnten. (ne)

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Senior im Krankenhaus mit Schnabeltasse/© SilviaJansen / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)