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22.01.2019 | #IntGeKo | Nachrichten

Akademisierung des Hebammenberufs – der Countdown läuft

Alle angehenden Hebammen werden zukünftig studieren. Eine EU-Richtlinie sieht eine Akademisierung des Hebammenberufs bis 2020 vor. Damit muss auch Deutschland jetzt nachziehen.

Schwangerschaft © Robin Utrecht / ANP / picture alDie Betreuung von schwangeren Frauen durch Hebammen wird immer komplexer. Eine hochschulische Hebammenausbildung soll den gestiegenen Anforderungen künftig Rechnung tragen.

„Mit einer Hochschulausbildung sollen die Hebammen dazu befähigt werden, die gestiegenen Anforderungen in der Geburtshilfe zu bewältigen und sich selber immer wieder auf den aktuellen Stand der Forschung zu bringen“, betont Dr. Gertrud M. Ayerle, Hebamme sowie studierte Hebammenwissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Deutschland ist der einzige EU-Mitgliedsstaat, in dem die EU-Vorgaben nicht umgesetzt sind.

Immer mehr Schwangere brauchen intensive Hebammenbetreuung

„Es gibt heute mehr Schwangere, die zum Beispiel chronisch krank sind oder aufgrund komplexer gesundheitlicher und psychosozialer Bedürfnisse intensiv durch Hebammen und Ärzte betreut werden müssen“, berichtet Ayerle, die in der Sektion Hochschulbildung der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V. aktiv ist. „Zudem können durch neue Methoden der künstlichen Befruchtung Frauen schwanger werden, die es früher nicht konnten. Dadurch entstehen mögliche gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind und damit zusätzliche Anforderungen an eine gute Versorgung.“ Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Hebammenforschung, Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Allgemeinmedizin und Pharmakologie soll dem Rechnung tragen. Es gibt zwar seit etwa zehn Jahren in einigen deutschen Städten Modell-Studiengänge für Hebammen, doch noch fehlt der gesetzliche Rahmen für eine regelhafte Ausbildung an der Hochschule. Die Zeit drängt: „Noch in diesem Jahr muss das Hebammengesetz überarbeitet und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung angepasst werden“, sagt Ayerle. Mit dem Gesetz werden auch die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung auf zwölf Jahre, also Abitur angehoben. „Bisher hatten Hebammen keine Weiterbildungschance und keine Karrieremöglichkeiten – letztlich eine systemische Diskriminierung von Frauen, denn Hebamme ist ein Frauenberuf.“


Neu: Hebammen Spezial

Auf dem 7. Interprofessionellen Gesundheitskongress am 5. und 6. April 2019 in Dresden geht es in diesem Jahr auch um Aktuelles aus dem Hebammenwesen. Getreu dem Motto ‚Viele Professionen – ein Patient’ ergänzt das Modul für Hebammen die Veranstaltungen für Pflegefachkräfte, Ärzte, Medizinische Fachangestellte, Logopäden, Physiotherapeuten und im Notfall- und Rettungsbereich Tätige. Schirmherrin des Kongresses ist die Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch.

#IntGeKo
Neben den Spezial-Modulen wird es auch gemeinsame Veranstaltungen für alle Gesundheitsberufe geben: Wie kann man Grabenkämpfe im Team vermeiden? Wie kann der Weg zu einer gemeinsamen Visitenkultur aussehen? Welche Rolle spielt Spiritualität in der Gesundheitsversorgung? Erstmalig wird auf dem Kongress, zu dem etwa 800 Teilnehmer erwartet werden, der Innovationspreis für Interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen vergeben.

Mehr Infos zu Preis und Bewerbungsfrist hier und zum Kongress hier.